GEGENWART
Helles blaues Licht am Horizont durchbrach die Nacht. Menschen kamen mir entgegen gerannt, wurden jedoch von einer Welle der Zerstörung erfasst. Schnell brannten sich Löcher in die Körper. Ich konnte die hellen Strahlen sehen. Strahlen der Zerstörung. Dann spürte ich entsetzliche Schmerzen. Ich blickte an meinem Körper herab und sah, wie meine Beine den Boden verloren. Langsam brach ich nach vorne und schlug mit dem Kopf auf. Alles war schwarz.
Ich erwachte. Meine Stirn war von Schweißtropfen bedeckt. Auf meinem Kissen war eine Pfütze aus Speichel und unter meiner Decke fühlte es sich an, als würde ich in einer Sauna sitzen. Wieder einer dieser allnächtlichen Albträume.
Ich träumte jede Nacht von Krieg und Zerstörung. Ich sah Menschen die entweder von Atombomben verbrannt, von Ionenbomben aufgelöst oder von Laser-MGs durchschossen wurden.
Der andauernde Krieg im Süden war jeden Tag in den Nachrichten zu sehen. Außer natürlich an den Tagen, an denen wieder einmal ein paar irre Terroristen in unserem Viertel ihre Sprengladungen anbrachten und damit Leitungen zerfetzten.
Seit langem kämpften die Truppen der Union schon gegen die republikanische Garde im Süden. Wenn man des Nachts sich still auf dem Balkon im 20. Stockwerk eines Wolkenkratzers befand und die FlyCars nicht gerade in Scharen am Himmel entlang sausten, dann sah man weit in der Ferne diese blauen Lichter, die mich Nacht um Nacht um den Schlaf brachten.
Zum Glück waren Rag und ich noch nicht eingezogen worden. Wir hatten zwar jeden Tag unsere Schulungen und Trainingseinheiten, doch waren wir noch nicht weit genug, um an der Front zu kämpfen.
Dennoch verfluchte ich den Tag, wenn er dann anbrach, von ganzem Herzen.
Ich drehte mich aus dem Bett. Mein Alarmsystem schlug sofort an und teilte mir mit, ich solle mich zur Identifizierung mit meiner Stimme bereithalten, ansonsten würde ich von 120 Volt gelähmt auf der Erde zusammenbrechen.
Ich sagte die mir nun schon sehr bekannten Worte :,,Cool down“ und die nun sehr freundliche Stimme des Systems wünschte mir eine wunderschöne Nacht. Unglaublich was die Technik heutzutage hin bekam. Egal welcher Name, immer war er richtig ausgesprochen. Tiz…mit einem so süßlichen Schwingen in der Stimme der elektronischen Frau…
Ich griff zum Telefon und sagte: ,,Rag“, woraufhin die junge Frauenstimme sagte :,,Sofort!“ Verschlafen ging Rag ans Telefon.
Ich drehte mich wieder ins Bett und zog die Decke zum Kinn hoch. In der Ecke neben meiner Dattelpalme hing eines meiner Lazwords, der gefährlichsten Nahkampfwaffen, die es heutzutage gab. Es war Wahnsinn. Damals in den Zukunftsfilmen hatte man von solchen Schwertern aus gebündelten Licht nur geträumt und nun waren sie schon Realität. Doch nur wenige kämpften mit ihnen. Die Mittel waren nicht mehr vorhanden und nun begann man sogar die Soldaten, zwar auch mit Schusswaffen, jedoch auch mit gewöhnlichen Schwerter aus Hartstahl auszurüsten. Mit Hilfe eines Ektoskeletts war es möglich selbst Stahlhelme mit diesen gewöhnlichen Schwertern zu zertrümmern.
Und trotz des Krieges, wollten doch alle Menschen nur Frieden.
Doch diese Tage, an denen man noch Frieden hätte schließen können, waren verstrichen, ohne dass die Regierungen etwas unternommen hatten.
Ich verdrängte meine Gedanken jedoch wieder und fragte Rag, was er eben gesagt hatte.
Blitzlichter der Erinnerung
Das war nicht sein Tag… definitiv nicht. Schon zum zweiten Mal hatte Tiz vergessen, was ich im Moment zuvor gesagt hatte.
Der drohende Schatten des Krieges lastete drückend und schwer auf allen Menschen innerhalb der Mauern von Astro-Stadt.
Seit der kalte Krieg der Supermächte vor einigen Jahren heiß geworden war, hatte eine Welle unaussprechlichen Grauens den bis dahin unbedeutenden Planeten überschwämmt.
An ihm war die strategische Position so wichtig. Sein System bildete eine Ausnahme an bewohnbaren Welten innerhalb einer Kugelschale von 2500 Lichtjahren um SOL herum – unser heimatliches Sonnensystem also.
Als die Menschen vor Urzeiten zu den Sternen aufgebrochen waren, da hatten sie sich nicht zu einer einzigen Menschheit zusammengefunden wie die Vernunft es geboten hätte, der krasse Unterschied zwischen den beiden damals stärksten Machtblöcken verhinderte jede Annäherung.
Seit Menschengedenken gab es nur zwei Seiten der Waage – die Union und die Republiken.
Ursprünglich hervorgegangen aus dem Zusammenschluss Europas, Asiens, Afrika und Amerika zur Europäisch-Afrikanisch-Amerikanischen-Union EAAU und den Vereinigten Orientalischen Republiken hatte sich der Gegensatz erhalten und war von den Menschen bis zu den fernsten Sternen getragen worden.
Jahrhunderte hatten die beiden Staatsgebilde in gegenseitiger Verachtung, aber ohne größere Probleme nebeneinander existiert, aber irgendwann schlugen die Wellen der Abneigung höher, kalte Verachtung wurde zu brennendem Hass.
Heute wusste niemand mehr, wie es begonnen hatte. War es eine fehlgeleitete Rakete der Union… oder doch eine zufällig abgeworfene Bombe eines republikanischen Zerstörers. Von einem Moment zum Anderen war der kalte Krieg heiß geworden. Etwas, das Generationen von Müttern und Vätern mit Grauen erfüllt hatte, wurde unbarmherzige Wirklichkeit. Menschen erhoben die Waffen gegen Menschen.
Gekämpft wurde um alles und mit allem. Sowohl mit gigantischen Flotten um Planeten, Sonnen und Cluster, als auch in mörderischen Schlachten auf dem Boden, die sich die Landetruppen und Verteidiger um Rohstofflager und infrastrukturelle Anlagen wie Werften oder Raumhäfen lieferten.
Tiz und ich hatten unser Leben lang auf einer Welt gelebt, die immer berechtigte Hoffnung hatte, niemals in den Konflikt der Großmächte verstrickt zu werden.
Er lag weit ab aller Raumbasen und Flottenstützpunkte, umkreiste als Einziger eine gelbe Sonne vom Standardtyp und war in erster Linie das, was schon die ersten Kolonisten in ihm sahen, als sich die Kugel ihres Explorerschiffs das erste Mal über die sanft geschwungenen, hoch aufragenden Berge schob – ein Paradies.
Eine etwa Erdgroße Welt, bevölkert von einer bunten Pflanzen- und Tierwelt und ohne schädliche Beimengungen in der Atmosphäre, mit einer erdähnlichen Schwerkraft, die den ersten Siedlern perfekte Bedingungen bot.
Sie nannten den Planeten GrassPlot, weil er sich ihnen wie eine riesige, grünende und blühende Wiese zeigte.
Nach den ersten drei Wellen kamen keine Kolonisten mehr nach. Zu langweilig schien Vielen die weit abgelegene Welt. Aber die bereits Gelandeten errichteten eine blühende Kultur, lebten in Einklang mit der Umwelt ihres Planeten und empfanden eine tiefe Verbundenheit mit ihrer Welt.
Als vor einigen Jahren der Krieg ausbrach, landeten eines Tages Raumschiffe auf GrassPlot – schwere Kreuzer der Union. Ihnen entstiegen Raumlandesoldaten und erklärten, unser Paradies würde für Verteidigungswichtige Tätigkeiten gebraucht. Und sie errichteten gigantische Camps und militärische Lager, versenkten gewaltige Geschützstellungen im Boden, die das friedliche Landschaftsbild krass durchbrachen und bei Tag und bei Nacht lauernd zum Himmel herauf drohten. Die Soldaten erfreuten sich keiner großen Beliebtheit unter der Bevölkerung. Wir wollten in Ruhe und Frieden leben und niemals zulassen, dass unser Paradies zu einer Stätte von Kriegt und Vernichtung wurde.
Doch es kam der Tag, an dem sich zeigte, dass das Misstrauen der Militärs gerechtfertigt war. Am Himmel tauchten gewaltige Schatten auf, Kriegstürme der Republiken, und in einem fürchterlichen, tagelang andauernden Kampf gingen alle Angreifer und drei Viertel der Verteidiger unter. Doch die Invasoren hatten Bodentruppen abgesetzt und diese waren nun seit Monaten dabei eine Schneise von Tod und Vernichtung durch den Urwald zu ziehen, direkt auf AstroStadt zu, die Wunderbare, die wegen ihrer einzigartigen, schwebend-glitzernden Architektur zumeist nur die Funkenstadt genannt wurde.
Die Funkenstadt – Hauptstadt des goldenen Planeten GrassPlott, bedroht von prophane Zerstörung durch Neutronengranaten und den Strahlenwaffen von Freund und Feind.
Das kleine Licht der Hoffnung war noch nie so sehr vom Erlöschen bedroht wie in diesen Tagen.
Gegenwart
Rag sagte mir, das seien lediglich die Nerven die nach diesen anstrengenden Zeiten mit mir durchgingen. Ich war mir nicht sicher.
Rag und ich waren zwar noch nicht so richtig in die Kampfesscene involviert gewesen, doch ich vermutete, dass sich die Untergrund-Gemeinschaft, oder kurz UG, nicht umsonst darum kümmerte drei gewöhnliche Menschen auszubilden.
Die UG war eine nicht allzu große, aber dennoch sehr bekannte Macht, die aus dem Untergrund heraus immer wieder in der Vergangenheit zugeschlagen hatte. Anfangs waren erste Anschläge und Attentate auf der Tagesordnung der UG gewesen. Man hatte versucht die Union von dem Gedanken abzubringen, unsere schöne Natur mit riesigen Bauten vollzuballern. Leider war der größte Anschlag von den so genannten Bright Knights abgewehrt worden. Die Bright Knights waren die gewöhnlichen Infanteristen der Union und waren nun in der gesamten Stadt stationiert.
Nachdem mehrere andere Anschläge zwar ausgeführt und erfolgreich waren, führte die Union jedoch ein Gesetz ein, das ermöglichte in diversen Häusern der Stadt Razzien durchzuführen, wobei hunderte von UG-Angehörigen verhaftet wurden. Was mit ihnen gemacht wurde, war nicht bekannt. Jedoch war die UG erheblich geschwächt und konnte nicht mehr in gewohnter Form agieren. Nur wenige waren den Razzien entkommen. Dabei nur vier Mentoren. Einer von ihnen wurde jedoch wenig später erschossen, als sich Bright Knights und die feindlichen Kriegstruppen einen harten Kampf lieferten. Nun waren letztendlich nur noch drei Mentoren am Leben und die hatten begonnen manche ,,begabtere“ Mitmenschen gezielt über einen langen Zeitraum zu observieren, dann abzuwägen ob sie eine Gefahr für die UG darstellen würden und letztendlich wurden sie dann rekrutiert. Sollten sie sich jedoch nicht an die Vereinbarung halten, über die UG nur stillschweigend zu wissen, wurden sie ,,aussortiert“. Jeder in der UG engagierte wusste dies und vermied solch gefährliches Verhalten vom ersten Tag an.
Als besondere Menschen kamen vor allem diejenigen in Frage, die intelligent waren, sportlich und möglicherweise auch besondere Reflexe oder gute Sinne hatten. Dann jedoch gab es auch noch das Spezial Team. Es wurde intern, sowie extern nur Speam genannt. Rag, ich und noch eine dritte Person würden bald diesen Namen tragen dürfen. Viele der damaligen Speams waren gestorben oder bei Razzien weggeschafft worden. Als Speam kamen nur ganz besondere Menschen in Frage.
Manche von den normaleren UGs nannten die Speams gerne unter sich Mutanten. Der Grund hierfür war, dass durch die abgeworfenen Bomben während der langen Bombardements, viele Menschen verstrahlt wurden. Unglaublich viele starben grauenvolle Tode. Doch ein ganz geringer Prozentsatz überlebte. Nicht aber ohne Mutationen oder andere Veränderungen. Und bei einem noch geringerem Anteil der verstrahlten Überlebenden wirkte sich die Verstrahlung gutartig aus. Doch die Rate war gering. Auf Grund dessen kamen nur sehr wenige als Speams in Frage. Momentan gab es nur drei neue Anwerter für die Posten der Speams.
Eine Regel besagte, es dürfe nur noch fünf Speams gleichzeitig geben. Deswegen waren die letzten fehlenden Speameinheiten die für den Zweck geschult wurden Rag, Lee, und ich. Reg der mutige Funker, war ein braunhaariger sportlicher Kerl, der im Kampf mit einem Lazword und der Minilanze ausgebildet wurde. Unter den Speams wurde Rag der Funker genannt, weil er durch die Mutationen die Fähigkeit entwickelt hatte, Funkwellen wahrzunehmen und diese zu entschlüsseln. Er konnte also jederzeit hören, was feindliche Funker übermitteln wollten. Gleichzeitig war es ihm möglich selber Funkwellen auszusenden, was oft zu Verwirrungen bei den feindlichen Funkern führen konnte. Lee, eine schwarzhaarige junge und hübsche Frau mit chinesischen Genen war extrem schnell. Sie konnte sich schneller bewegen, als Rag sehen konnte. Nur mir war es möglich ihre Bewegungen wahrzunehmen. Denn meine Fähigkeit war es, schneller zu sehen, als normale Menschen. Ich sah Dinge teilweise wenige zehntel Sekunden, bevor sie eigentlich geschahen. Lee wurde nicht mit einem Lazword ausgebildet, da sie diese Waffen nicht tragen wollte. Sie kämpfte stattdessen mit kleinen Dolchen. Sie war so wendig und schnell, dass sie an die Gegner heranrannte und ihnen die Kehle durchschnitt, ehe sie auch nur wussten was eigentlich geschah. Ich wurde mit einer Laser-MG, aber hauptsächlich mit Lazwords ausgebildet.
Die anderen älteren Speams waren Dan und Paul. Dan war ein Krieger, der ein Schwert trug das ähnlich dem uralten Samurai-Schwert war. Es war aus Hartstahl und schnitt selbst durch harte Panzerungen. Paul hingegen wurde C4 genannt. Der Grund hierfür war, dass er für Sprengsätze und große Panzerfaustwaffen zuständig war. Und wenn C4 im Einsatz war, dann knallte es öfter mal.
Und bald waren die letzten drei Krieger bereit eingesetzt zu werden. Es fehlte nur noch eine Prüfung und zuvor zwei Stunden Training.
Danach mussten wir wohl zu fünft in feindlich besetztes Gebiet vordringen und in der ehemaligen Landezone ein Funkergebäude säubern und zerstören. Hierzu sollte Rag ausspionieren was vor sich ging, dann Fehlinformationen senden um die Soldaten um das Gebäude in einen vorgetäuschten Kampf zu schicken.,
Wir Anderen sorgten dann zusammen mit Rag dafür, dass das verbleibende Soldatenteam eliminiert wurde. Die Funker sollten dann vernommen werden und auch dann den Weg in die Nachwelt antreten. Dann wurde das gesamte Gebäude in die Luft gejagt.
Doch unsere Feinde waren nicht mehr die Bright Knights, denn zwischen Ihnen, also der Union und der UG herrschte ein Neutralitätsabkommen. Jedoch bedeutete dies nicht, dass großartig kommuniziert wurde. Verachtung gab es immer noch. Der wahre gemeinsame Gegner war die Republik. Und wir Speams waren nun bald bereit, die republikanischen Struggler zu bekämpfen.
Müde sagte ich zu Rag :,,Wir werden bald Teil eines großen Angriffs werden!“
Rag erwiderte jedoch nur:,, Ja Tiz…hmmm..ja.“
Und wieder schwiegen wir uns an.
Blitzlichter
Nachdem wir die letzte Trainingseinheit vor dem wahrscheinlichen Ernstfall absolviert hatten, saßen wir noch lange in unserer Stammbar zusammen. Wir waren schon früher gerne hier her gegangen. Das StarDUST war das, was man unter einer gemütlichen Adresse zum Chillen und Abschalten verstand. Stylishe Designs, viel mit Chrom und irgendwie sehr futuristisch, somit eigentlich gar kein typisches Umfeld für GrassPlot-Einwohner, dennoch nach wie vor äußerst gut besucht.
Wir suchten uns eine ruhige Ecke. Im StarDUST war alles sehr futuristisch, auch die Cocktails und ihre Namen. An diesem Abend beließen wir es jedoch beide beim berühmt-berüchtigtem StarDUSTER Spezial. Vieles war anders als sonst.
In wenigen Tagen würden wir beide erstmals selbst aktiv in den Konflikt… den Krieg gegen die Republik eintreten. Ja, man konnte von einem ausgewachsenen Krieg sprechen. Viele von uns wollten es noch immer nicht ganz wahrhaben, dass das uralte Gleichgewicht der Kräfte so endgültig zerbrochen war, dass nur noch der Griff zu den Waffen auf beiden Seiten in Frage kam. Noch weniger waren sie bereit zu akzeptieren… auch nur geistig zu erfassen, dass dieser abstrakte Konflikt, deren Gründe schon niemand mehr richtig erklären konnte, ausgerechnet auf unserer kleinen Welt ausgetragen werden sollte.
Wir hatten uns indes entschieden weniger zu grübeln und mehr zu handeln. Und ich weiß noch genau, wie ich an jenem Abend dort in dem Club saß, durch das riesige Panoramafenster die paradiesische Lagune von New Juliano Bay im kalten Funkeln unzähliger namenloser Sterne betrachtete, und zu meinem besten Freund und zukünftigen Waffengefährten sagte: „Diese Welt ist für den Krieg nicht geschaffen. Und wir sind es auch nicht. Ich frage mich wirklich, wie viele von uns je wieder hier her zurückkommen werden.“ Und ich machte mit den Armen eine weit ausholende Bewegung, die die ganze Bucht ebenso wie die halbe Welt einschließen konnte.
Mein Freund wirkte unbeeindruckt und gänzlich abwesend, und ich war sicher, er hatte meine Worte, wenn überhaupt gehört, so schon im nächsten Moment wieder vergessen.
Aber ich würde sie nie mehr vergessen.
Kämpfen und siegen?
Wir sprachen nicht mehr darüber. Der Krieg hatte uns endgültig eine neue Realität aufgezwungen.
Unsere Gesichter zeugten von ausdrucksloser Entschlossenheit, als wir uns auf unseren ersten Kampfeinsatz vorbereiteten. Von einem provisorischen Unterstand aus wollten wir die Operation einleiten.
Ich versuchte die organisierte Hektik um mich her auszublenden und mich auf meinen inneren Punkt zu konzentrieren, zu konzentrieren… konzentrieren… bis ich die Stimmen hören konnte. Zuerst waren es unsagbar viele… ungeordnet, in einem furchtbaren Durcheinander untrennbar vermischt, und ich wurde fast wahnsinnig davon… dann gelang es mir nach und nach Einzelne heraus zu filtern. Immer weiter grenzte ich meinen Empfang ein… endlich – ich hatte das gesuchte Gebiet. Nur noch fünf Stimmen hörte ich. Einen Kommunikationsoffizier, zwei Raumsoldaten und zwei weitere Personen, die sich an einem Ort aufhielten, der Eine konnte ein Arzt sein. Mit konzentrierter Miene begann ich mit meiner eigentlichen Arbeit…
Alles wurde ruhig. Rag hielt beide Hände an seine Schläfen und eine Ader pochte an seiner Stirn. Ich hielt mein Lazword bereit in der Hand.
Auf meine Laser-MG hatte ich heute verzichtet. Stattdessen hatte ich eine uralte Waffe auftreiben lassen. Sie stammte noch vom Planeten Erde. Es war eine Desert-Eagle. Sie steckte in Ihrem Leder-hohlster an meinem Gürtel.
Lee drehte einen Dolch in der Hand herum und Paul kaute auf einem Draht herum. Dan kniete auf einem Knie und stützte sich mit dem Ellenbogen auf das andere.
Er wirkte äußerst angespannt.
Rag blickte auf und nahm die Hände vom Kopf. ,,Ich bin fertig!“ sagte er.
Lee hielt ihren Dolch fest und Dan stand auf. Paul nahm das Kabel aus seinem Mund und steckte es wieder an seinen Gürtel.
,,Lasst uns loslegen!“ sagte Paul und schritt voran. Rag zog seine Mini-Laser-MG und folgte Paul durch die Nacht. Es war nebelig und stockfinster.
Die Luft roch nach Rauch und Abgasen.
Die Planung war wie folgt: Erst sollte Rag seine Nachricht übermitteln, um Soldaten in einen falschen Kampf zu schicken. Dann wollten wir vordringen um die letzten Einheiten bei der Funkstation auszuschalten. Dann wollten wir die Funker ausquetschen um alle Funkmeldungen zu erhalten und alles über Versorgung, Nachschub an Waffen und Munition und Einheiten zu erfahren, was wir aus ihnen herausbringen konnten..
Dann sollten die Funker liquidiert werden. Zu guter Letzt sollte Paul dann den Laden versenken. Dann sollten wir uns dünne machen und fünf Kilometer wieder in Richtung UG-Zentrale gehen. Dann sollten wir dort von einem Senkrechtstarter abgeholt werden.
Wir waren keine zwei Kilometer entfernt, als mein UG-GPS mir mitteilte, wir sollen hier hinter dem kleinen Hügelwall abwarten. Ich zog meine Wärmebildkamera und blickte über den Hügel. Sofort ließ ich mich niederfallen und bedeutete den anderen das Gleiche zu tun.
Wir alle kauerten im Dreck und blickten durch unsere Nachtsicht- und Wärmebildkameras über den Wall, immer darauf bedacht, nicht zu weit über den Fall zu lugen und möglicherweise von den gegnerischen Einheiten erspäht zu werden. Denn das, was auf der anderen Seite über den teerigen Boden bretterte, war ein unglaublich PS-starker LKW, voll besetzt mit republikanischen Strugglern. Sie alle waren mit Laser-MGs ausgerüstet und sicherlich sehr darüber erfreut, ein volles Team von Speams zu beschießen.
Rag knackte mit seinem Kiefer. Wut und Zorn standen ihm ins Gesicht geschrieben. Ein Blick durch die Runde genügte zu erkennen, dass Rag nicht der Einzige war, der diese Miene aufzog. Auch alle Anderen waren verkrampft bis in jeden Muskel.
Denn eine weitere Sache hatten wir alle gemein. Alle unserer Eltern waren tot. Entweder auf der Flucht vor den Republikanern niedergemacht, oder durch deren unbarmherzigen Bombardements in Stücke zerfetzt.
Langsam merkte ich wie auch mich die Wut ergriff. Der Griff um mein Lazword wurde stärker und ich spürte wie das Metall unter meinen Fingern zu zittern begann.
Als der LKW hinter einer Anhöhe verschwunden war, sagte ich flüsternd zu den anderen: ,,Schnappen wir sie uns!“
Wir alle sprangen aus dem Dreck und rollten uns über den Kamm des Walls. Meine Gelenke knackten, als ich circa vier Meter tiefer durch den starken Rutsch auf den Kiesbeton flog.
Die Republikaner hatten vor längerem alles Grün und jedes Stück Natur durch Beton und Teer ersetzt. Was sie stattdessen benutzten, war eine Art Luftsäuberungsmaschine, mit der sie aus Kohlendioxid wieder Sauerstoff gewinnen konnten.
Als wir uns alle ausgeklopft und eingerenkt hatten, machten wir uns wieder auf den Weg, diesmal jedoch in einer Art Entenlauf. Unser Training hatte zum Glück aus uns starke Kämpfer gemacht, denn ohne das wären wohl alle von uns hier nach spätestens 200 Metern aus den Latschen gekippt. Ich hoffte inständig, dass wir dank unserer schwarzen Anzüge und bemalten Gesichtern nicht zu erkennen waren, denn würden die restlichen Soldaten mit ihren Wärmebildkameras aus den Wachtürmen sehen, würden sie ohne Zögern das Feuer auf uns eröffnen.
Doch was ich in der Ferne sah, war fast genauso schlimm. Die Republikaner hatten Kampfhunde an lange Ketten gebunden, wodurch diese zwar angebunden waren, aber dennoch einen Kreisradius von ca. 200 Metern abdecken konnten. Ich erschauerte jedoch noch mehr, als ich erkannte, dass einer der Hunde direkt in unsere Richtung schnüffelte und sich genau in der Mitte des Kreises befand. Ich peilte über den Daumen ab, wie weit der Hund wohl an uns herankommen würde…. und es lief mir eiskalt den Nacken herunter. ,,Zurück!“ bellte ich den anderen zu, die mir sofort ohne zu fragen folgten. Hinter uns hörte ich schon die Beine dreier Hunde auf dem Kies. Ich ließ mich zurückfallen und warf mich hin, als ich am hinterem Ende unserer Gruppe angelangt war. Beim Fallen aber drehte ich mich um und landete mit dem Gesicht in Richtung der Hunde auf dem Bauch. In meiner Hand hielt ich die Deagle. Man würde uns zwar hören, jedoch würden die Soldaten auch so durch den Hundekrach in Alarmbereitschaft gesetzt worden sein. Vor mir sah ich nicht drei, sondern sogar vier Hunde. Der vorderste war gerade mal zehn Meter von mir entfernt. Ich drückte ab. Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs…drei Hunde flogen scheinbar zurück. Von ihnen war nicht mehr viel übrig geblieben. Der vierte kam dafür umso schneller auf mich zu. Ich drückte die letzte Kugel aus dem Lauf und stellte Sekunden später mit Entsetzen fest, dass nicht nur mein Magazin leer war, sondern meine Kugel ihr Ziel auch verfehlt hatte. Ich Griff nach meinem Lazword, was ich eigentlich vermeiden wollte, da man sonst durch den Lichtstrahl sehen würde wo wir waren. Doch ich brauchte nichts zu tun, da mir Sekunden später auch schon Blut ins Gesicht schoss.
Lee war so nett gewesen den aggressiven Hund vor seinem Leckerchen von seinem Kopf zu befreien. Dankbar strich ich mit meinem Ärmel über mein Gesicht und stand auf. Die anderen standen hinter mir und keuchten noch von unserem Sprint. Lee strich ihren Dolch an der Hose ab und steckte ihn zurück in ihre Scheide am Kampfgürtel. ,,Na toll!“, sagte Rag, ,,jetzt haben wir ein Problem!“
in der Ferne hörte ich Schritte. Drei Soldaten konnte ich ausmachen, die aus dem riesigen Tor eines Forts gerannt kamen. Und sie waren direkt auf dem Weg in unsere Richtung.
Der erste kniete nieder und griff an seine Laser-MG. Lee und Dan knieten nieder, Rag legte sich hin und zog seine Mini-Laser-MG und Paul warf sich auf die Seite. Der Einzige der stehen blieb war ich. Ich sah wie die kleinen Laser-Punkte auf uns zukamen…mein Puls erhöhte sich drastisch…meine Schläfen pochten und die kleinen Punkte die aus der Mündung der gegnerischen MG kamen wurden immer langsamer….wie in Zeitlupe zog ich mein Lazword, wobei ich wusste das dieser Moment bei den anderen normal ablaufen würde…abgesehen von Lee, die sich nun auch niederlegte. Aus meinem Augenwinkel sah ich wie Rag seinen Finger an den Abzug legte und abdrückte. Kleine blaue Energiestrahlen stoben aus der Waffe und setzten langsam ihren Weg in Richtung der Republikaner fort. Auf meiner anderen Seite warf sich auch Dan auf die Erde. Sein Schwert am Rücken klapperte. Doch nun musste ich langsam agieren. Ich zog mit der Rechten meinen Mantel fest und riss mein Lazword mit der Linken vom Gurt. Knappe zwanzig Meter vor mir brannten sich die hellen Laser-Punkte in meine Augen. Mit meinem Zeigefinger löste ich die Waffe aus. Eine brennende Ader fuhr Richtung Himmel. In meinen Augen brannte das rote Licht der Rache.
Ich ließ die Waffe durch die Luft sausen und lenkte die Laser-Punkte wieder zurück. Rag hatte indes schon einen Soldaten erledigt. Die anderen beiden hatten nun auch ihr Feuer eröffnet. Ich löste mich wieder und nahm die Szene wieder wie gewohnt wahr. Die Laserstrahlen der anderen wehrte ich fast gänzlich ab. Nur ein paar vereinzelte brannten sich in die Erde.
Lee hatte sich wieder aufgerichtet und lief im Zick-Zack auf einem der Gegner zu. Rag schoss drei Salven in Richtung des letzten Gegners und traf diesen in die Beine. Schreiend brach er nieder. Lee stand bei dem Anderen und zog gerade ihren Dolch aus dessen Brust. Nun war sie auf dem Weg zu dem am Boden liegendem Struggler. Dort angekommen beugte sie sich nieder und löste seinen Kopf vom Rumpf.
Ich ließ mein Lazword erlöschen und zog stattdessen meine Wärmebildkamera. Ich blickte hindurch, konnte aber keine weiteren Soldaten erkennen. Dan, Paul und Rag erhoben sich und wir schlossen zu Lee auf. Zusammen gingen wir weiter.
Am Fort angekommen schoben wir uns durch den Spalt in der Wand. Wir durchkämmten jeden Raum nacheinander und gelangten schließlich an einer verschlossenen Tür an. Es war der letzte Raum, in den wir noch nicht gesehen hatten. Es waren scheinbar nur drei Soldaten am Fort zurückgeblieben. Paul zog einen kleinen Gummistreifen aus seinem Mund und drückte ihn an das Schloss.
Wir gingen alle einen Meter zurück und schon knallte das Schloss in den Innenraum. Dan trat die Tür auf und rollte sich in den Raum, wobei er sein Samurai-Schwert zog. Lee und ich folgten ihm auf dem Fuß. Rag und Paul traten hinter uns herein. Unsere gezogenen Waffen schienen die Funker die an ihren Maschinen saßen nicht zu erschüttern. Paul verschloss die Tür wieder, indem er einen Tisch vor diese schob.
In dem Raum waren lediglich sieben Funker, die alle ihre Arbeit niedergelegt hatten und uns ansahen. Wir steckten unsere Waffen weg und ich ging auf den vordersten Mann zu.
Nun mussten wir nur noch unsere Informationen bekommen…
FORTSETZUNG FOLGT. . .


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