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Wie viel ist unsere Bequemlichkeit wert?

Die moderne Medizin ermöglicht es inzwischen mittels spezieller Untersuchungen einer werdenden Mutter die wohl wichtigste Frage überhaupt zu beantworten. - Wird mein Kind gesund sein
Unterdessen können wir uns einer weiteren Frage stellen - Welche Bedeutung hat ein solcher Fortschritt für unsere Einstellung zum Leben und zum Kinderkriegen?
Die Befragung zum Thema - erarbeitet von NETWORK\'s RESEARCH\"
In Kürze hier bei ITB im Bereich Labs


Prot
Zur Erinnerung

Bei der folgenden Erzählung handelt es sich um eine dramatische Aufarbeitung von Gedankenspielereien.
Die Handlung und auch die Personen dieser fiktiven Geschichte agieren unabhängig vom tatsächlichen Wahrheitsgehalt.
Die Szenarios jedoch basieren auf Tatsachen, oder einer gründlichen Recherche.

Eine unbequeme Freundschaft

2007
Langsam kam ich wieder zu mir. Mein Rücken und meine restlichen Gliedmaßen taten mir vom langen Liegen auf dem kalten Fußboden weh. Ich wusste nicht wo ich war, geschweigedem welcher Tag es war. Um mich herum war es stockduster. Ein leichter, ganz kleiner Lichspalt war an einer Tür zu sehen.

Wo war ich hier. Langsam wurde ich erst wach. Mein Kopf tat mir weh. Ich schmeckte einen leicht bitteren Geschmack im Mund, wie von einer Kopfschmerztablette oder ähnlichem. Was war das für ein Ort? Es roch muffig. Ja beinahe schon wie in einer Räucherkammer oder so.

Langsam erhob ich mich. Ich spürte meine Beine kaum vor Schmerz. Wie lange hatte ich auf diesem unbequemen Boden gelegen? Es schien mir wie eine Ewigkeit. An den Vortag jedoch erinnerte ich mich keineswegs. Langsam tastete ich mich zu der Tür. Ich stolperte über etwas und fiel. Es war etwas weiches aber großes. Ich beugte mich hinunter. Es war ein Junge oder ein Mann. Ich versuchte mich zu beruhigen. Ich musste einen klaren Kopf bekommen. Die schwere Nacht lag noch in meinen Glidern. Ich nahm den Weg zur Tür wieder auf. Dort angekommen drückte ich die Klinke. Die Tür war abgeschlossen. Was ging hier vor?

Ich suchte in meiner Hosentasche und fand es. Mein Feuerzeug, welches mir meine Schwester geschenkt hatte. Ich hatte mich damals über dieses schöne Schmuckstück sehr gefreut. Es war silber und hatte kleine eingravierte Ranken eines Efeus.

Ich entflammte es und sah hinunter auf den Mann. Es war Maxi, ein Schulfreund. Ich bückte mich und versuchte ihn aufzuwecken. Bei dieser Bewegung merke ich zuerst das mein Hemd nass war. Maxi rührte sich nicht. Ich griff nach seinem Arm und wollte seinen Puls nehmen. Er war eiskalt. Und  was mich total schockierte, er hatte keinen Puls. Er war tod. Ich schrie kurz auf und wich zurück. Das vermeindlich als Wasser dargestellte war Blut. Jemand hatte meinen Kumpel kaltblütig abgestochen. Was war geschehen?

Ich konnte mich einfach nicht erinnern. Dieser Geruch nahm mich mit. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Was sollte ich tun? Ich musste hier raus. Etwas finden womit ich die Tür zerschmettern konnte. Das sollte nicht zu schwer sein.

Ich drehte mich um. In der Hand mein Feuerzeug. In der Ecke saßen weitere Personen. Es lief mir eiskalt den Rücken herunter. Die eine erkannte ich sofort. Es war Paula. Man sah ihr Augenweiß. Auch sie schien tod. Mein Herz raste. Auf den zweiten Blick erkannte ich neben ihr noch meinen Cousin Basti und Svenja, eine Schulkameradin aus meinem Kurs. Sie alle drei hatten Striemen am Hals. Bei allen dreien testete ich den Puls. Doch sie waren alle ermordet worden. Es schien wie ein sehr schlechter Traum. Was war hier geschehen. Warum lebte ich? Hatte man mich vergessen? Wollte man mir den Mord anhängen? Und wieso? Warum kannte ich die Toten? Wer war der Mörder?

Ich hatte mein Gedächtnis verloren, aber ich konnte mir selbst einen, oder sogar vier Morde nicht zutrauen. Niemals. Sogar der Anblick der sich mir jetzt bot war schrecklich.

Wieso war mir das geschehen? Wenn man so etwas in Filmen sah, dachte man immer es würde einen niemals selbst treffen. Ich musste hier heraus. Ich suchte weiter im Zimmer. In der Ecke stand ein alter Schrank. Er war groß und alt. Langsam ging ich auf ihn zu.Ein Stofffetzen hing aus der Tür dieses sehr alten handgeschnitzten Kunststückes. Mein Herz blieb beinahe stehen. Ich riss die Tür auf und mein Herz machte einen Schritt. Es war nur ein altes rot gepunktetes Kleid. Unordentlich auf einen Bügel gehängt. Oder wohl eher geknüllt. Außer dem Kleid war in diesem Schrank nur noch eine Packung Schlaftabletten. Somit klärte sich auch der merkwürdige Geschmack in meinem Mund. Ich drehte mich auf dem Absatz um, damit ich keinen der Toten berühren musste und schaute auf die andere Seite des Raumes. Es gab kein Fenster, nur eine Tür und nur ein paar alte Kartons. Ich durchsuchte sie alle. Ohne Ergebnis. Es befand sich nichts in ihnen. Wo war ich? Wessen Haus war das? Wer war für die Morde verantwortlich? Ich ging zur Tür zurück und versuchte mit aller Kraft sie aufzudrücken. Ich musste hier raus. Mit voller Kraft trat ich auf die Holztür ein. Sie war steinhart. Es war sinnlos. Das Holz war zu fest. Es schien beinahe wie eine Sicherheitstür. Wie in einem Verlies. In diesen Horrorfilmen, wo die Türen zusetzlich von außen mit Brettern zugenagelt werden. Grauenvoll. Wo war ich gelandet? Was war geschehen? Was hatte ich getan, dass man mir sowas antat?

Ich setze mich auf einen der Kartons. Angelehnt an dem alten Schrank. Still und leise liefen mir die Tränen über die Wangen. Wer konnte so schreckliche Taten begehen?

Voller Müdigkeit und Trauer schlief ich sogar im Sitzen ein.

Eine Ewigkeit später erwachte ich wieder. Es roch nicht mehr rauchig und verstaubt. Sondern nach einem Frauenparfum. Ich hatte alles nur geträumt. Es war noch dunkel. Das Licht schien unter der Tür hindurch. Meine Mutter schien im Badezimmer zu sein. Ich erhob mich. Erst jetzt wurde mir klar, dass es kein Traum gewesen war. Es war Realität. Abermals entfachte ich mein Feuerzeug. Konnte ich meinen Augen trauen? Die Leichen waren verschwunden. Was war das für ein Freuenduft? Ich ging zur Tür und drückte die Klinke. Die Tür ging auf. Jemand war hier gewesen. Aber wer? Dem Duft nach also eine Frau. Hinter der Tür befand sich ein Heizungsraum. Leise brummte die Anlage. Ein leichter Lichtschein wurde von einer blauen Neonlampe auf den grauen Boden geworfen. Ich war also in einem Keller. In einer Ecke stand ein Fernseher. In der anderen hingegen ein Tisch mit vielen Apperaturen, Werkzeuen und Gerätschaften. Darunter zum Beispiel etliche Hammer, Meißel und Klemmen. Weitere die ich nicht zuordnen konnte. Dann erschrak ich. Daneben hing eine Fliegenklatsche. Genau solch eine, wie mein Kumpel Daniel eine hatte. Ich hatte mich vor einiger Zeit ziemlich heftig mit ihm gestritten. Er bezeichnete mich damlas als dummen Lustmolch, als ich ihm über ein sehr sehr nettes Mädchen meiner und somit auch seiner Klassenstufe erzähle. Jenes Mädchen, welches kurz zuvor tot neben mir gelegen hatte. Svenja. War Daniel auch tot? Und wenn ja, wo war er dann jetzt? Und wo waren die anderen Leichen geblieben? Aber womöglich gab es tausende dieser Fliegenklatschen in Form einer Hand. Und der verbogene Griff? So etwas kam schnell vor, wenn man versehentlich zu stark zuschlug. Erst jetzt bemerkte ich unter dem Fernseher einen Videorekorder. Ich schaltete ihn auf Play und drückte den Powerknopf des Fernsehers. ,,Sony”. Mir wurde bewusst wie häufig die deutsche Sprache durch das Englische beeinflusst wurde. Dazu fiel mir der Ausspruch Daniels ein, den er losließ, als wir bei ihm eine Haloparty gemacht hatten:,, Damals war es besser. Da hatte jeder Arbeit und es gab nicht so viele Türken.” Ich musste schmunzeln. Das Bild flackerte auf. Eine merkwürdige Gestalt lief in das Bild. Komisch verkleidet. Eine alte schwarze Mütze auf, dazu eine Sonnenbrille und ein Halstuch hochgezogen bis über die Nase. In leiser flüsternder Stimme sagte er auf Französisch ein paar Worte. ,,Tu es mort, si tu n’arretes pas de me flammer. Ça me crasses les cuilles.” Mir fiel der wiederlich perverse Akzent auf. Die Person machte eine Verbeugung nach links und ich sah in dessen Schatten eine weitere Person. Auch sie war verkleidet aber etwas köpulenter. Jedoch etwas kleiner als die erste Gestalt. Dann fuhr die Person auf Französisch fort.

,,Tu as fait le plaisir avec des filles. C’était un faut! Ouai. Il y était par example Cléa. Ce pute! Ha! Elle est presque morte! Tu vas voir!”

Wer war das? Mein Kopf brummte. Diese Person kannte sich sehr in meinem Leben aus. Woher sonst sollte sie von Cléa wissen. Meiner damaligen guten Freundin. Mit ihr lief nicht viel. Wir hatten damals ein wenig Spaß zusammen gehabt. Wobei mir noch bewusst war, dass ich nicht mit ihr geschlafen hatte. Etwas verlibet vielleicht. Das war es aber auch. Daniel hatte sich sehr darüber mokiert. Der Mann im Fernseher machte eine letzte Verbeugung und fügte ein ,,Ich kann dich sehen” hinzu. Ich drehte mich um. In ca. 2,50 m Höhe hing eine Kamera. Sie war direkt auf mich gerichtet. Dank meines Ausdauersportes ,,Pakrour” war es kein Problem sie zu erreichen. Mithilfe eines Geschickten Sprunges an die Wand, griff ich nach ihr und riss sie von ihrer Befestigung. Auf der Erde angekommen zertrat ich sie wütend. Mein Herz war heftig am schlagen. Ich musste einen extrem hohen Puls haben. Ich sah mich um. Es waren keine weiteren Kameras zu sehen.

Plötzlich ging das Licht aus und ich saß wieder im Dunkeln. Kein Licht. Da der Fernseher erloschen war, musste jemand auch den Strom abgestellt haben. Und da die Stromkästen zumeist im Keller zu finden waren, hieß das, dass die Person in unmittelbarer Nähe sein musste. Angst durchlief meinen Körper. Es war ein lautes Lachen zu hören. Danach war es wieder ruhig. Lange stand ich in dem fast leeren Raum. In völliger Dunkelheit.

Ich vernahm ein leises Knistern aus dem Gang vor mir. Aus dem Gang, aus welchem ich zuvor gekommen war. Ein starker Schlag auf den Hinterkopf brachte meine Gedanken zum Schweigen.

2006

Es war wiedermal ein Montagmorgen. Der Sprung aus dem Bett fiel mir wieder besonders schwer. Mein Blick aus dem Fenster, da wo die Jalousie nicht ganz heruntergelassen wurde, verdeutlichte mir die grausamkeit des Wetters. Es schüttete wie aus Eimern.

In der Schule angekommen wurde ich sofort mit lästigen Fragen im Deutschunterricht konfrontiert, obwohl diese keineswegs aus dem Munde meiner Lehrerin stammten, sondern wohl eher aus dem sehr gesprächigen Mundwerk meines Klassenkamerads Daniel, der wie so oft das nächste Wochenende besprechen wollte. Er fragte mich nach dies und das. Eine sehr heikle Angelegenheit, denn was sollte man nun auf die Frage antworten, ob man nicht mit nach Frankreich wolle. Besonders dann, wenn die fragende Person dem noch hinzufügt:,,Wir könnten viel Spaß haben!” und man sich seinen Teil dazu denkt wie zum Beispiel, dass der Spaß mit einem so milde intelligenten Menschen wohl eher nur sehr einseitig sein würde. Eigentlich war mein Kumpel Daniel ein ganz normaler Mensch. Jedenfalls erschien dies auf den ersten Blick so. Doch in Wirklichkeit entpuppte er sich als sehr anstrengend und aufbrausend. Er wollte immer seinen Wunsch erfüllt haben. Dieser bestand darin, anerkannt zu sein und vorallem somit viele Freunde zu haben.

Leider schien er diesen Wunsch noch nicht annähernd erfüllt zu haben, sonst wär es mir sehr bald aufgefallen, dass ich viel mehr Zeit für mich hatte, in der ich nicht unentwegt mir Lügen und Geschichten anzuhören. Noch ein Unterschied zwischen Daniel und mir war, dass ich meine Kleidung eher im lässigen Jugendstil trug, welcher keinesfalls proletarisch aussah  sondern eher Stilvoll und ordentlich wohingegen Daniel geradezu keinen Wert auf das äußerliche Erscheinen legte. Dies sah man sogar schon auf den ersten Blick, es war also nicht zu leugnen. Seine Hose schien viel zu kurz. Sein Pullover hatte hiermit Ähnlichkeit. Das T-Shirt, welches eher billig wirkte war viel zu lang und hing somit unten aus dem Pullover heraus. Seine Haare trug er im Mittelscheitel wobei diese gleichfalls sehr lang waren und seine Frisur mit der von Günter Netzer vergleichbar war. Dies brachte ihm auch vor kurzer Zeit den netten Spitznamen ,,Netzer” ein, worüber er keinesfalls erfreut war und daraufhin nach Jahren d ie Frisur veränderte. Er trug jetzt Vokuhila.

Wiedermal musste ich mir lange Zeit irgendwelche Geschichten anhören wie zum Beispiel dass er in einiger Zeit eine Flatrate bekäme, obwohl er gleiches schon vor ungefähr zwei Monaten erzählt hatte. Gleiches erkannte man in seinem Liebesleben. Auch hier waren seiner Fantasie keine Grenzen gesetzt. Er erfand eine nach der anderen Geschichte. Eine dieser  war, er habe zahlreiche Freundinnen aus seiner Nachbarschaft bis hin nach Mexiko, an denen er aber kein Interesse habe. Auf Nachfragen aus welchem Grund e er denn nicht in näheren Kontakt mit ihnen träte, erwiederte er nur Gestammel und Ausreden. Nach einigen dahingezogenen Unterrichtsstunden standen nur noch drei Stunden Astronomie zwischen mir und meinem Feierabend.

Ungewohntermaßen verlief der abendliche Unterricht aber doch recht spaßig. Daniel wurde mehrfach von unserem Astronomielehrer zurechtgewiesen und bekam die Aussage zu hören er sei sowieso gebranntmarkt für sein Leben. Da dies keiner Rechtfertigkeit unterlag, brach folgedessen die gesammte Klasse in schallendes Gelächter aus.Zuvor musste sich Daniel schon von der Lehrkraft Sprüche anhören müssen, wie zum Beispiel, dass er viele Probleme habe. Mein Freund Maxi war genauso wie ich hoch erfreut über diese Auflockerung des Unterrichtes.

Daniel schien bei diesem Lehrer wohl auf der Abschussliste zu stehen, da er viel zu oft Geschichten erfunden hatte um andere in seinen Schatten zu stellen, wie als er erzählte, er habe einen Segelschein gemacht, hingegen aber noch keinen Rettungsschwimmer. Da die offensichtlich seiner Fantasie entsprungen war, fand er bei seinen Mitschülern keinerlei Anklang.

Die Wochen verstrichen so und ich wurde immer mehr von Daniels Märchen gestört. Er versuchte mich scheinbar zu bestechen und unternahm den Versuch mich mit Geschenken wie beispielsweise Playstationspielen am Wochenende häufiger zu sich zu locken.

Gleichfalls waren Daniels Äußerungen geprägt von seiner Sinnlosigkeit sowie seiner Psychosen. Wie sonst kann man den Spruch: ,,Wenn der erste nicht plant, was der zweite nicht plant, plant der dritte gar nix mehr!” erklären? Zu unserem Glück gestand er aber auch, er habe einen Psychologen.

Seine Leserechtschreibschwäche in sämtlichen Fächern sah man anhand des Satzen seines Astronomie Referates: ,,Als man damals die Sonden auf der Venus.”

Die Aussage ,,Was gibt es im Norden, was es im Süden nicht gibt?” und auf die Frage wo die Mauer stehe mit ,,an der Grenze” zu antworten erscheint wohl jedem als eher wahnwitzig. Möglicherweise sind diese geistigen Schwächen aber auch damit zu erklären, dass der nette junge ,,Daniel, Fred Stocker” mehrfach in neue Familien übegeben wurde. Es gibt sogar mehrere Aussagen vielfältiger Herkunft, man habe ihn damals vergewaltigt. Dies ist aber nur eine These.

Als Maxi und ich uns bei Daniel mit einem weiteren Freund einen Spaß ausdachten und diesen an Daniels Bett anfesselten, filmte Daniel das gesammte Geschehen und wollte es lange Zeit nicht löschen. Wofür er es nutzte ist bis heute unklar und kann nur erahnt werden.

Seit kurzem mache ich einen neuen Sport zusammen mit meinem Kumpel Maxi. Es nennt sich Parkour und stammt aus Frankreich, also dem Land, indem Daniel zusammen mit seinen Eltern ein Haus besitzt. Man spring hierbei von erklummenen Mauern und Häusern. Für uns selbstverständlich, berichtete uns Daniel, er habe diesen Sport professionell in Frankreich betrieben und könne es nun nach seiner Knieoperation nicht mehr betreiben. Bewiesen werden kann dies nicht. Da man nicht die Möglichkeit hat, in Frankreich Nachforschungen anzustellen. Also folglich eine perfekte Möglichkeit für unseren Jüngling eine Illusionswelt aufzubauen und somit seine Kumpanen hereinzulegen.

Wenn man mich so hört, denkt man sicherlich ich hätte diverse Probleme mit meinem Mitmenschen. Dies kann ich nur wiederlegen. Wobei ich auch die Meinungen anderer Mitschüler erfahre. So denken manche er sei ein Brunnenmann oder ein Opfer einer Vergewaltigung. Verständlich ist es jedenfalls allemal.

Daniel scheint eher ein friedfertiger Mensch zu sein. Ab und zu äußert er sich zwar mit ,,Du kassierst noch!”, wobei dies eher Einschüchterungen sind und er letztendlich klein beigibt. Zumeist tritt solch ein Verhalten auf, wenn er sich bedroht fühlt, oder starke Eifersucht verspührt.

Eifersucht ist sehr deutlich nachzuweisen. Zu oft äußerte er sich in Form von Flüchen und Beschimpfungen. Zitate wären zum Beispiel:,,Du hast mich schon mal links liegenlassen! Wehe du machst das noch einmal! Immer diese Mädchen!”. Hier stellt sich jedesmal bei vielen die Frage, ob der nicht andersherum ist, und eher das männliche Geschlecht bevorzugt.

Möglicherweise ist dies aber wieder nur ein Versuch sich in das Rampenlicht zu stellen. Dies versuchte er häufig schon durch Imitationen seiner Mitschüler, wie als er Andreas ein Fernrohr sehr schnell nachkaufte.

Desweiteren scheint Daniel Probleme mit Ausländern zu haben, nicht umsonst wäre sonst eine Zeitung bei ihm zu finden gewesen, auf deren Titelseite Hitler zu sehen war und darunter die Aufschrift zu lesen war, ob er zur WM komme. Dennoch versichert Daniel aber er hätte auch Türken als Freunde.

Diese Freundschaften könnten aber auch wie bei mir selbst zutreffend auf Mitleid basieren oder seiner Fantasie enstsprungen sein. Sein Erscheinen wirkt sehr zurückgeblieben und wunderlich. Sein Haarausfall scheint beinahe endlos. Seine Geschichten wirken schwachsinnig und hilfsbedürftig. Noch nie war es einem Schüler möglich eine Facharbeit über ein eigen verfasstes Buch zu schreiben. Er scheint von der Möglichkeit jedoch überzeugt zu sein.

Nun ja. So verging jedoch reichlich Zeit in der ich von Daniels Geschwätz ohne Ende gestört, belästigt und verfolgt wurde. Scheinbar unentweichlich schien es. Ein Entkommen war nicht möglich. Es schien als sei er überall.

2007

Langsam wurde ich wieder munter. Meine Schädeldecke tat höllisch weh. Meine Arme waren verdreht worden, genauso wie meine Beine. Ich hatte schreckliche Schmerzen. Langsam setzte ich mich auf. Ich hatte einen grausamen Traum gehabt, indem ich mich an meine Vergangenheit erinnerte. Mein Rücken machte sich bemerkbar. Der kalte Boden fröstelte mich sehr. Zudem kam der ausgeprägte Druck auf meiner Blase und der Hungerschmerz in meiner Magengrube. Wasser lies ich in einer Ecke in dem Heizungskeller, indem ich mich befand. Danach ging ich zurück in das Zimmer meiner ersten ,,Nacht”. Es war bis auf dem Schrank und den Karons leer geräumt. Dann bemerkte ich auf dem leeren Gang eine Tür, die ich zuvor in der Dunkelheit nicht erkennen konnte. Gegen meine Erwartung war sie nicht verschlossen. Sie war aus Stahl und sehr kalt. Mit Mühe zog ich sie auf. Vor mir in einem kleinen Raum mit kleinen Fenstern stand  eine kleiner Tisch. Ein kleines Mahl war darauf gerichtet. In gekrakelter Kinderschrift lag ein beschriebenes Blatt auf dem Tisch. ,,In Liebe!”

Dies schien sehr merkwürdig. Ich nahm keine der Speisen zu mir, obwohl meine Magen stark rebellierte. Eine Vergiftung war nun sehr ungünstig. Doch wozu ließ man mich aus den einzelnen Räumen. Es schien wie ein Spiel. Wie in diesem Horrorfilm ,,Saw”.

Eine weitere Tür war unmittelbar vor mir. Als ich sie ohne Mühe öffnen konnte dachte ich mich in einem schlechten Film zu befinden. Was war hier los? Was spiele man mit mir?

Hinter der Tür befand sich eine dunkle Wendeltreppe. An ihrem Geländer waren unzählige Preservative befestigt. Ich konnte meinen Augen nicht trauen. Was war das für ein krankes Wesen? Desweiteren wurde der Aufstieg durch Frauenunterwäsche auf den Treppenstufen stark erschwert. Oben angelangt öffnete ich die Tür, welche das Sonnenlicht abgehalten hatte. Nun schien es kräftig und schön herunter. Vorerst war ich stark geblendet. Hinter mir war ein Knacken zu hören, wie als sei jemand auf einen Ast getreten. Mit meiner Linken ausgestreckt drehte ich mich um die eigene Achse. Aber es war niemand zu sehen.

Ich befand mich auf einer Wiese. Eigentlich schön anzusehen. Die Umstände aber waren unschön und verdarben das Gefühl der Freiheit. In der Ferne war ein gigantischer Wald zu sehen. Als ich mich zurückdrehte bemerkte ich, dass der Wald mich umschloss. Das Ausmaß der Wiese musste aber dennoch einiger tausend Quadratmeter umfassen. Kurz vor der Waldgrenze waren Weinreben zu erkennen. Die rote Farbe der Blätter schien kräftig herüber.

Mir wurde bewusst, dass die Sonne stark schien. Es mussten ungefähr 35 Grad im Schatten sein.Und der Mittag stand noch bevor. Zu meiner Linken lag ein Fahrrad. Es war alt und verrostet. Ein weises Schild hing am Lenker. Auf ihm befand sich die Aufschrift: ,,Nutze es vorsichtig! Es kann dir helfen!”. Was sollte dies bedeuten? Ich riss das Schild ab und hob das Fahrrad auf, schwang mich über die Stange auf den Sattel und fuhr schnellstens den kleinen Steinweg herab in die Richtung der Weinreben. Beim Näherkommen erkannte ich, dass der Weg zwar kleiner wurde, jedoch weiter durch den Wald führte.

Das Dach der Blätter verdeckte den Waldboden. Es kam fast kein Licht bis zum Boden.

Im Schatten eines Baumes bewegte sich eine verkleidete Gestalt. Davon bekam ich nichts mit. Ich war erschöpft von der Radfahrt und konzentrierte mich auf den vor mir liegenden Weg. Nach ungefähr 10 Minuten kam ich an eine Lichtung, die mich auf eine weitere großfläschige Ebene führte. Eingebettet in eine kleines Tal, mitten im umgebenen Wald, befand sich ein kleines Dorf. Dies war meine Rettung. Ich musste nur jemanden mit einem Telefon finden. Dies war in diesem Dorf vielleicht ein Problem. Es schien nicht besonders groß zu sein. Einen Versuch war es jedoch wert. Die Abfahrt war ein leichtes. Es ging rasant herunter.

Ein lautes Pfeifen war zu vernehmen. Mein Vorderreifen hatte ein Loch. Jemand hatte Glas auf den Weg gestreut. Ich stürtzte hart auf den steinigen Boden. Meine Arme waren blutig. Aufgerissen durch die kleinen Steinchen an der Erde. Ich rappelte mich auf und sah mich um. Es war niemand zu sehen. Die letzten 300 Meter rannte ich den Weg hinunter. Ein Blick in die ersten vier Häuser verriet einiges. Sie standen alle leer. Sie waren vollkommen ausgeräumt. Als ich das Ende der kleinen Häuserreihe erreichte blieb mein Herz stehen. Der Rasenboden war übersäht von Knochen. Keineswegs von Tieren. VON MENSCHEN! Was war hier geschehen. Erst jetzt nahm ich den verwesenden Geruch war. Jemand hatte kaltblütig jeden einzellnen Menschen in diesem kleinen Dorf abgeschlachtet.

Es lief mir eiskalt den Rücken herunter. Ich verspührte reine Angst. Ich war gefangen. Gefangen in einem riesigen Wald. Es gab keine Fluchtmöglichkeit.

Tränen rannen an meiner Wange entlang. Wenn dieses kranke Schwein so viele Menschen auf dem Gewissen hatte, unter denen auch beste Freunde waren, was war dann mit meiner Familie geschehen. Lebten sie noch? Fragen über Fragen und ich konnte keine beantworten.

Die Schweißperlen liefen mir die Stirn hinunter. Es mussten jetzt schon weit über 40 Grad sein, doch weit und breit war kein Wasser zu sehen. Ich war hilflos. Ich zermaterte mein Gehirn über Fluchtmöglichkeiten. Mir fielen jedoch keine sinnvollen ein. Es lag nahe, dass ich die ganze Zeit beobachtet wurde. Man spielte ein Spiel mit mir.

Zusammenhangslos fiel mir Daniels damaliger Spruch ein, wo er meinte, ich würde schon sehen was ich davon hätte. Aber dennoch konnte ich mir nicht sicher sein, dass er hinter solch einem Gemetzel steckte. Vorest war es wichtig aus diesem verfluchten Wald zu gelangen. Die Frage war nur wie.

2006

Nach einigen Wochen war es mir gelungen vor Daniels Fragen zu entkommen. Einerseits brachte mir ein Ferienaufenthalt in Frankreich etliche Französischkenntnisse und somit einen gewissen Vorteil im Untericht, andererseits war es geradezu unmöglich drei Wochen oder sogar noch länger mit einem psychisch sehr labilen Menschen zu verbringen, ohne dabei körperliches oder geistiges Leiden zu erfahren. Es war also aussichtslos für ihn. Er musste sich letztendlich alleine mit seinem Freund Patrick in Frankreich langweilen. In einer größeren Provinzstadt wäre es vielleicht noch denkbar gewesen. In Paris zum Beispiel bestand die Möglichkeit einer Person aus dem Weg zu gehen und etwas anderes zu unternehmen. Hingegen in einem kleinen abgelegenen Dorf in der Dordogne nicht.

Und da Daniel viel erzählte, was er alles schon in Frankreich unternommen habe, wie Radtouren mit seinem Vater, oder dem Segelschein, welchen er absolviert habe, war mir doch etwas mulmig bei diesem Gedanken. Es gab einmal einen Jungen meines Jahrgangs der erwiederte auf die Aussage Daniel würde mit einem Segelschiff über die Wellen reiten lediglich, dass das einzige worauf Daniel ritte, sein Vater sei. Eine sehr grauenvolle aber möglicherweise auch realistische These. Auf jeden Fall nahm ich weiterhin Abstand zu Daniel und verbrachte meine Zeit mit anderen Freunden, oder widmete meine Zeit dem Ausdauersport.

Mein Sportkamerad Raffa und ich unternahmen gelegentlich zusammen am Wochenende etwas, oder ich saß zu Hause auf dem Bett und spielte am PC oder an meiner Playstation.

Mein Geburtstag im Oktober war sehr lustig. Es kam ab und zu zu kleinen lustigen Zwischenfällen, wie als ich meinem Kumpel Maxi eine Kastanie an den Kopf warf. Wir alle hatten viel getrunken. Oliver und Alexandra waren am Schlachtensee geblieben und verblieben in Olis Bett. Daniel hingegen ging den restlichen Gästen erheblich auf die Nerven.

Im Dezember dann war Weihnachten. Ich erhielt eine große Anzahl an misteriösen Sms, wessen Absender ich nicht bestimmen konnte. Da mein Cousin Basti zusammen mit mir und der restlichen Familie bei meiner Oma waren, blieb mein Verdacht bei Raffa hängen, der sich wohl einen Spaß erlauben wollte. Es war ja alles recht harmlos. Ein paar Sms in denen stand, er würde mich lieben und wüsste nicht was er ohne mich machen solle. Eben ein typischer Witz Raffas. Ab und zu ging es mit ihm durch und er hatte nun mal einen schrecklich merkwürdigen Humor. Der Kontakt zu Raffa und meinen anderen wurde langsam etwas labiler, da ich die Lust verlor mich aus dem Haus zu bewegen. Später jedoch, im Januar, stellte ich die Verbindung zu meinen Freunden wieder her und begann mit dem Trendsport Parkour, der es mir ermöglichte größte Mauern zu erklimmen. Mit dem Inkontakttreten aber begannen auch Daniels Nervereien. Wie hatte ich es vermisst mir Lügen anzuhören. Statt mit ihm, traf ich mich häufiger mit Maxi um Sport zu treiben. Parkour war der beste Sport den ich bis jetzt so nachgeeifert hatte.

In den Januarferien traf ich mich schließlich noch einmal mit Maxi und Daniel. Da unser Freund Fred, oder eben Daniel, wieder einmal Geschichten auf Lager hatte, die wohl seiner Fantasie entsprungen waren, gab es eine kleine Racheaktion, inder Maxi Kleber in Daniels Bett verteilte. Eine sehr spaßige Sache, wenn man hierbei nur nicht zu viel nimmt, sowie beachtet, dass das Bett Schäden davon tragen könnte. Dies war auch der Fall. Später am Nachmittag ging Maxi nach Hause. Ich verweilte noch etwas, was mir Daniels wahre Meinung zeigte. Als ich seine Kamera inspizierte sah ich Fotos, auf denen mein Hintern zu sehen war, natürlich schön verpackt in meiner Jeans. Somit war offensichtlich, dass Daniel eher homoerotisch veranlagt war. Auf meinen Wunsch hin löschte er sie und  ich ging nach dem Abendessen mit seinen Eltern, nach Hause. Am Folgetag bekam ich Ärger mit Daniel, ich solle mich um die Kleberangelegenheit kümmern. Ich sah es nicht ein und sprach ein paar Tage nicht mit ihm. Die Schule begann am Montag und ich war froh viele meiner anderen Freunde wiederzusehen. Dieser Montag war gleichzeitig Daniels Geburtstag, der  am Wochenende später gefeiert wurde. Da viele meiner Freunde eingeladen waren, konnte ich unbesorgt ein Glas Whiskey-Cola trinken. Es verwunderte mich, dass Daniel sogar meinen Cousin einlud, obwohl Daniel ihn nicht mochte. Außerdem waren Anna, Paula, Alex, Maxi, Raffa und Svenja eingeladen. Desweiteren erschien es mir als merkwürdig, dass das Geburtstagskind sich zurückzog und beschäftigt damit war, Getränke anzurühren. Raffa half ihm zwar, dennoch war Daniel eher derjenige, welcher gefeiert werden sollte. Es war schließlich sein Geburtstag. Außerdem hatte er sich ja auch sehr darauf gefreut. In seinem Msn-Status war zu lesen gewesen, dass es endlich soweit wäre. Nun, da wundert man sich ziemlich. Doch dieser Abend sollte noch länger andauern. Viele waren stark angetrunken und verloren ihre Hemmungen. Nach und nach wurden sie müde und schliefen auf Daniels Couch und Bett ein. So erging es auch mir. Aber Daniels Vater war zu Hause. Und somit waren wir  wohl behütet und in der Masse scheinbar unverwundbar.

2007

Es war schrecklich heiß. Mein Mund war trocken und schien vollends auszutrocknen. Ich wusste nicht was ich tun sollte. Es gab vielleicht die Möglichkeit in einem der Häuser ein Telefon zu finden. Oder Möglicherweise eine Waffe. Es könnte ja sein, dass sich in einem solchen Gebiet ein Jägerhaus gefände. Ich konnte klar und deutlich das Rathausgebäude erkennen. Es war das größte von ihnen und war schön verziert. Ich trat durch die schwere Eichentür ins Innern. Es war hier relativ kühl. Das Abscheuliche war nur der bestialische Geruch nach verwesendem Fleisch. Ein Telefon fand ich nirgends. Ein Messer lag auf dem Boden und ich schob es in meinen Gürtel. Vorsichtig ging ich aus dem alten Gemäuer hinaus. An eine Wand gelehnt sah ich ein Fahrrad. Es sah beinahe noch schlimmer aus als das erste. Als würde es bei der kleinsten Berührung auseinanderbrechen. Ich erklomm es und trat in die Pedale. Quer durch den Wald war ich unterwegs. Es wurde Nacht, doch ich hielt nicht an. Ich durfte den Verfolgern keine Möglichkeit geben. Am nächsten Morgen legte ich mein Fahrrad in eine kleine Senke eines überwachsenen und ausgetrockneten Bachlaufes. In ihm war ich nahezu unsichtbar und konnte einen kleinen Schlaf halten. Es war kein Problem, da ich erledigt und völlig müde war.

Es musste schon wieder Mittag sein, als ich meine Augen öffnete. Über mich gebeugt stand ein kleiner Mann vor mir. Sein Gesicht war mit einer Ledermaske verkleidet. In seiner Hand hielt er eine Schlinge. Er wollte nach mir greifen. Hinter ihm sah ich die größere Gestalt nahen. Ohne zu überlegen rammte ich mein Jagdmesser in den Magen des Maskenmannes, zog es wieder hervor und rannte um mein Leben. Zuerst setzte der größere zum Sprint an, bemerkte aber sofort, dass er zu langsam war um mit einem ehemaligen Sprinter mitzuhalten. Ich rannte immer weiter. Nach ungefähr drei Kilometern verlangsamte ich meinen Schritt. Ich war auf einer Böschung. Zehn Meter neben mit war eine kleine Straße. Weit und breit waren nur Wiesen zu sehen. Plötzlich hörte ich von hinten einen alten Lieferwagen anbrausen. Er war alt und verrostet. Ich warf mich sofort ins Gras, als ich bemerkte, dass es meine Verfolger waren. Sie schienen mich nicht bemerkt zu haben. Ich schlug einen leicht eingeschlagenen Weg ein, um von ihnen Abstand zu nehmen. Es wurde Abend. Ein kalter Wind kam auf und die Luft roch nach Landleben. Der Wald reckte seine abendlichen Schatten nach mir und wenige Minuten später stand ich im Dickicht der großen Kiefern. Der Boden wurde leicht sumpfig, also beschloss ich wiederum meinen Weg etwas zu verändern. Der Wald war voll von Mücken, die mich stachen, als hätten sie noch nie Blut geschmeckt. Nach wenigen Minuten war mein gesammter Körper von ihren Bissen übersäht. Doch auch sie konnten mich nicht aufhalten. Ich ging die ganze Nacht über weiter. Ab und zu lief ich auch schneller, aber dennoch schien der Wald kein Ende zu nehmen. Ich musste mehrere kleinere Bäche überqueren. Matt und ausgelaugt schlief ich im Mogengrauen auf dem Waldboden ein. Ein paar Zweige über mich gelegt zum Sichtschutz.

Mein Schlaf war tief und fest. Selbst das Surren der Mücken konnte mich nicht wecken.

Wie lange mochte ich wohl geschlafen haben? Die Sonne stand hoch am Himmel. Mein Magen tat höllisch weh. Ich musste dringend etwas zu essen und trinken finden. Also machte ich mich auf den Weg. Der Wald verschluckte mich nach wenigen Kilometern wieder. Es ging bergauf. Oben auf dem Berg sah ich von weiten eine kleine Hütte. Ich sah in die Fenster des kleinen Hüttchens und sah niemanden, also trat ich ein. Auf dem Herd stand eine Fleischsuppe die gerade zubereitet wurde. Gerade als ich wieder die Hütte verlassen wollte, wurde ich von dessen Eigentümer überrascht. In der Hand hielt er eine Flinte. Sie war alt und verbogen. Der Mann hatte langes Haar. Es war verfiltzt und lockig. Seine Kleidung war verdreckt und zerschlissen. An den Füßen hatte er alte Stiefel. In einem schlechten Französisch sagte er:,,ça va? Qu’est-ce que tu fais ici? Je peux tu tuer! Tu semble d’être une minus trois!C’est vrais?”

Ich war verdutzt. Ich konnte zwar Französisch, dennoch verstand ich nicht, wieso ich eine Minus-drei seien sollte. Das ergab keinen Sinn. Wenigstens konnte ich mir jetzt sicher sein, dass ich in Frankreich war. Obwohl ich noch immer nicht wusste, wie ich und wer mich hierher gebracht hatte. Dann fing der Fremde an auf Deutsch vor sich hinzubrabbeln. Er erzählte etwas von Schwäche und Stärke was ich nicht ganz nachvollziehen konnte und so sprach ich ihn auf Deutsch an:,,Wer sind sie? Und können sie mir helfen? Ich werde verfolgt!” Er schaute mich an und sagte leise, er wüsste auch von wem. Ein Schauder lief mir den Rücken hinunter. Also fragte ich ihn, wer meine Verfolger waren. Er meinte nur:,,Es ist eine Minus 3 und eine minus 6.” Ich verstand nicht ganz was er meinte und es war zwecklos mit ihm darüber zu reden. Er schien scheinbar geistig verwirrt. Dann sagte er, er hätte mich normalerweise schon lange umgebracht, aber meine Feinde seien auch die seinen. Und somit hatte ich einen Verbündeten. Nachdem ich bei ihm gegessen und getrunken hatte, machten wir uns zusammen auf den Weg. Er wollte mich in die nächst größere Stadt bringen. Wir waren ganze zwei Tage unterwegs, als wir von einem kleinen VW-Bus verfolgt wurden. Es waren meine Verfolger. Von hinten fingen sie an uns mit Pfeilen zu beschießen. Wir rannten los umzu entkommen. Der VW-Bus hatte zwar ein wenig Mühe über die Wiese zu fahren, dennoch gelang es ihm. Wir waren fast an einem Waldstück angelangt, als einer der Pfeile das Bein meines Verbündeten traf. Laut schrie der eine Verfolger auf und jaulte. Es war der größere von ihnen. Ich versuchte meinen Verbündeten aufzuhelfen, doch es war zu spät. Er blutete sehr stark. Er sagte ich solle flüchten, und so nahm ich seine Flinte und rannte weiter. Von hinten hörte ich ein lautes Knacken. Die Verfolger überfuhren meinen Verbündeten gewissenlos und setzten mir nach. Im Wald angekommen waren sie machtlos. Der dickere war eh schon durch meinen Angriff vor ein paar Tagen verwundet und konnte nicht ohne Schmerzen laufen. Der Größere wollte den anderen nicht zurücklassen, und so fuhren sie auf einem kleinen Weg weiter. Ich konnte im Wald nahezu unentdeckt fliehen.

Sehnsucht plagte mich. Ich vermisste meine Freunde und meine Familie. Ich wollte sie alle wieder um mich haben. Es war so schrecklich. Meine besten Freunde waren tot. Maxi, Paula, Basti und Svenja. Mit Svenja war ich nicht sehr doll befreundet. Ich wunderte mich wieso man sie getötet hatte. Ich hatte mal erzählt sie sähe gut aus und sei nett. Ich wollte aber nicht mehr. Es war alles ein riesiges Rätsel. Zwei Killer, die ohne Anlass und nur aus Spaß mehrere Menschen töteten. Ich war stinksauer. Wenn ich sie wiedersah, würde ich sie töten. Hass stieg in mir auf.

Ich ging weiter. Von weiten war ein leises Dröhnen zu hören. Der VW-Bus bog aus einem Waldstück aus. Hinten angehängt war eine Trage. Auf ihr lag aufgebahrt der Dicke. Es hatte ihn dahingerafft. Ich hatte ihn umgebracht. Diese dumme Missgebuhrt. ,,BRUNNENMANN!” schrie ich ihn an. Der Große zog ein Gewehr und zielte auf meinen Kopf. Beim Abzug jaulte er laut auf, wie ein Hund. Ein kleiner Sprung zur Seite ließ das Projektil knapp an meiner Schläfe vorbeisausen. Ich nahm meine Flinte und ziehlte. BUMMMMM!!!

Der Schuss traf die hintere Tür des Busses. Sie war nun Übersäat von Einschusslöchern. Der Große trat auf das Gaspedal. Ich schoss ihm noch zweimal nach, bis ich mitbekam, dass das Magazin leer war. Ich warf die Flinte in das Gras und ging weiter.

Die Nacht brach ein und ich hatte mich langsam an die Schmerzen des Hungers gewöhnt. Ich hatte aufgehört zu rennen und ging gemütlich weiter. Es hatte keinen Sinn mehr. Wenn sie mich holen konnten, hätten sie es schon lange getan. Es waren simpel und einfach gestrickte Menschenwesen, die nach ihrer Lust und ihrem Drang handelten. Also folglich hatten sie einige Schwächen. Ihr wahres Ziel und der Sinn der Verfolgung war nur trübe erahnbar.

Möglicherweise wollten sie mich auffressen, töten, aufschneiden, zerstückeln, erdrosseln, mich zum Sex zwingen oder einfach nur quälen und foltern.

Meine Gedanken widerten mich an. Ich musste einen Weg finden. Es musste eine Möglichkeit geben. Ich fing wieder an zu rennen.

Als ich so weiter rannte fiel mir in einiger Entfernung ein großer Sack auf. Er hing über dem Pfad den ich entlangeilte. Ich bremmste ab und sah hinauf. Eine kleine Reisleine hing herab. Mit aller Kraft gelang es mir die Schnur Stück für Stück herauszuziehen. Etwas größes und schweres fiel aus dem Sack. Ich wich gerade noch aus. Als ich hinabsah, wurde mir schlecht. Es war ein guter Freund. Oliver. Ich begann zu begreifen. Auch dies war geplant. Ich versuchte einen klaren Gedanken zu finden. Wenn er wusste, dass ich hier entlang laufen würde, dachte er bestimmt auch ich würde umdrehen, da ich wüsste sie hätten es geplant. Also musste ich weiterlaufen. Wenn er aber dachte, ich würde genauso denken, wie ich nun dachte, müsste er vor mir warten. Wenn er nun aber davon ausginge, ich würde so denken, dass er so über mich dächte….

Ach was dachte ich eigentlich?

Das war sinnlos. Ich hatte mich verzettelt. Es war Zufall wo der Brunnenmann war. Also ging ich weiter.

Angstschweiß begann mir den Rücken herunterzulaufen. Ich fing wieder an zu rennen.

Nach ungefähr drei Stunden des gelegentlichen Rennens fiel mir an einer Waldlichtung eine kleine Siedlung auf. Es rauchten die Kamine. Also musste sie bewöhnt sein. Vielleicht würde ich nun in Sicherheit sein. Ich war außer Athem, musste aber weiterrennen. In der Ferne erkannte ich einen Streifenwagen, mit ungefähr fünf oder sechs Polizisten. Sie hatten ihre Waffen gezogen und riefen nach mir. Ich rannte auf sie zu. Ich war gerettet. Sie fingen an auf mich zu zeigen und lauter zu rufen. Nein, sogar zu schreien. Sie zeigten auf mich. Der eine Polizist schoss in die Luft. Und richtete die Waffe auf mich. Ich war geschockt und wollte mich augenblicklich auf den Rasen werfen. Ich hörte einen lauten Schuss und verspürte einen höllischen Schmerz. Ich brach nieder. Die Kügel hatte mich knapp unter dem Herzen getroffen. Ich vernahm einen weiteren Schuss. Ein Blick zurück verriet mir, dass mein Todesschütze der Maskierte gewesen war. Er lag reglos am Boden. Schnell kamen die Polizisten auf mich zugerannt. Blut lief aus der Wunde meines Rückens. Mein Blick verblasste. Blut quillte aus meinem Mund und es war mir fast nicht möglich ihn zu öffnen, ohne dass Blut herausschwappte. Es ging zu ende. Über mich gebeugt waren zwei Polizisten und neben ihnen meine Mutter und meine Schwester. Ich lächelte sanft. Sie hatten es überlebt. Ich wollte etwas sagen, bekam aber nur Blut heraus. Mein Blick verfinsterte sich. Das wars!

Meine Stirn brannte. Mein Herz war ganz ruhig. Was für ein schöner Tag es zu werden schien. Langsam erhob ich meinen Kopf und richtete meinen Oberkörper auf bis ich saß. Ich lag in einem Krankenhaus. Um mich herum waren wenige und vereinzelte Blumensträuße in schmuckvolle Vasen gestellt. Der Kalender an der Wand zeigte mir das heutige Datum.

Es war der 18.2.2007. Wie lange lag ich hier wohl schon?

Ich streckte mich vor und krabbelte bis zum Fußende. Dort blickte ich an das angebrachte Patientenblatt und sah das Einweisungsdatum. Es waren zwei Wochen vergangen. Was war geschehen? Ich hatte von den vergangenen Wochen überhaupt nix mitbekommen. Neben meinem Bett lag der Klingelknopf für die Schwestern. Ich presste ihn hinein. Das Schrillen kam aus gar nicht so weiter Entferung. Die Tür öffnete sich und eine brünette Schwester trat ein. Auf dem Gesicht ein kleines Lächeln. Sie schloss die Tür und sagte:,, Und? Gut geschlafen?” Ich verstand ganz und gar nichts und quetschte sie aus. Meine Fragen sprudelten aus mir heraus. Sie erklärte mir dass ich bei einer Flucht sehr viel Blut verloren hatte und dadurch in ein künstliches Koma versetzt werden musste. Langsam begann ich mich zu erinnern. Ich war gefoltert worden, verfolgt, verletzt und zuletzt auf einer Wiese zum Liegen bekommen. Meine Verfolger? Daniel und sein Vater.

Ich setzte mich quer auf mein Bett und roch an der schon hängenden Tulpe. Sie rochen gut und nach Frühling. Langsam merkte ich wie die Schwäche wieder zurückkam. Ich legte mich zurück und schlief auch sogleich wieder ein. Träume, schreckliche Träume drangen in meinem Hirn von Links nach Rechts und wieder zurück. Ich sah eine schrecklich missstaltete Figur vor mir. Eingewickelt war sie mit einem schwarzen Bettlaken. Sie kam immer dichter. Bumm, bumm, bumm…. Mein Herz schlug heftig. Schweißgebadet wachte ich auf. Vor mir sah ich meine Mutter und meine Schwester stehen. Ich unterhielt mich lange mit ihnen. Ich hatte so viele Fragen. ,,Was war mit dem kranken Schwein passiert?”

Meine Mutter sah kurz aus dem Fenster, bevor sie antwortete. ,,Er konnte fliehen. Er trug scheinbar eine Schutzweste. Er wurde von einem Lieferwagen abgeholt, bevor die Polizei ihn dingfest machen konnte. Er ist entkommen, doch ob er lebt, weis keiner. Deshalb müssen wir nun aufpassen.” Das war nicht möglich. Er wurde getroffen. Ich erinnerte mich noch an den Schuss der Polizei. Wie sie ihn trafen und er in das Gras fiel. Mitten aufs Gesicht. Das war nicht möglich. Sie mussten sich täuschen. Niemals hätte er fliehen können. Niemals!

Zwei Tage später wurde ich entlassen. Zu Hause angekommen fing ich an zu chatten und lernte ein Mädchen kennen. Sie war das Beste was ich je getroffen hatte. Ich verliebte mich in sie und wollte sie nie wieder missen. Sie war so lieb. Und es war überaus lustig, dass ich eine solche Angst hatte, sie zum ersten Mal anzurufen. Und dennoch. Ich lernte sie lieben. Mehr noch als alles vorherige in meinem Leben. Es war Wahnsinn. Nach nur kurzer Zeit hatte ich das Gefühl als kannte ich sie schon ewig. Am 3.3. war es dann soweit. Ich hatte das Liebste für mich. Sie war mit mir zusammen. Und ich wünschte das würde auch immer so bleiben. In der Schule dann erfuhr ich von Freunden dass es Untersuchungen gegeben hatte und es sich herausgestellt hatte, dass Daniel nicht der Verfolger sein konnte. Er hatte ein Alibie. Er war in Paris gewesen und hatte dort Aurelien wiedergetroffen. Ich konnte dem nicht trauen. Er musste es gewesen sein. Als ich ihn dann kurz darauf wiedersah und er mich mit seiner widerlichen Art angrinste sprang ich auf ihn zu und rammte ihm meine Faust in die Fresse. Sein Gesicht wich zurück und er fiel. Er fiel auf den Asphalt. Seine Nase war gebrochen und desweiteren hatte er eine schöne Platzwunde am Hinterkopf. Seine Eltern verzichteten auf Anzeige, da sie der Meinung waren es sei in Ordnung dass Daniel auch mal ein wenig Schmerzen erleiden könne. Das war vollkommener Schwachsinn dachte ich mir, doch was sollte es. Ich war somit aus dem Schneider. Ich telefonierte jeden Tag mit Steffie, meiner kleinen süßen Maus. Ich liebte sie so stark, dass ich mir gut und gerne vorstellen konnte mit ihr ein späteres Zusammenleben zu führen und sie zu meiner Frau zu nehmen. Als Daniel der Spaniel davon erfuhr rastete er wohl aus und beschimpfte mich vor Freunden. Es war mir egal. Er hatte seinen einzigen ,,Freund” verloren. Es war einfach so. Er war der größte Homo aller Zeiten. Ich fing wieder an zu trainieren und meine Ausdauer wuchs stetig an.

Nach ungefähr zwei Monaten dann geschah es. Ich kam zur Schule, oder vielmehr dorthin wo die Schule einmal gestanden hatte. Alles war abgesperrt. Martin, ein Typ aus meiner Klassenstufe kam mir entgegen und sagte, dass ein Unbekannter wohl ein Blutbad veranstalltet hatte. Mit einem Katana sollte er seine Opfer in der Schule aufgesucht haben und sie abgeschlachtet haben. Zuletzt hatte er die Gasleitung in Brand gesetzt und war geflohen. Der gesammte Schulkomplex war in die Luft geflogen.

Schockiert fuhr ich wieder nach Hause. Es war grauenvoll. Nie im Leben hätte ich mir soetwas vorstellen können. Ein Anruf durch die damalig noch vollständige Schulleitung ergab, dass ich nun ungefähr 2 Wochen frei hatte. Es mussten erst Ersatzschulen gefunden werden. Ich packte meine Sachen und wollte nach Hamm fahren. Einfach nur raus. Und ab zu Steffie. Am Abend kam mein Zug. Ich nahm einen Platz im letzten Wagon ein. Das letzte Abteil war fast vollständig leer. Also ein perfekter Ort um sich zu entspannen und über die vergangene Zeit nachzudenken. Was doch alles in der letzten Zeit geschehen war.

Die Fahrt dauerte eine Ewigkeit. Von Wach- und Schlafzeiten unverschohnt dröhnte mein Kopf, doch letztendlich schlief ich ein.

Von einem ruckartigen Schlag wurde ich geweckt. In meinem Abteil war es dunkel. Das Licht musste wohl ausgefallen sein. Ich stand auf und sah aus dem Fenster. Der Wagon wurde langsamer. Ich blickte mich um und erst jetzt sah ich dass ich alleine im Wagon war. Meine Muskeln spannten sich und mein Kopf wurde schlagartig frei. Mein Herz schlug kräftig aber ruhig. Das Adrenalin in meinem Blut lies meine Muskeln in einem enormen Ausmaß wachsen. Ich verspührte eine ungeheuerliche Wut. Er war zurückgekommen. Mein Verfolger. Und nun war ich bereit. Ich würde ihn packen und sein erbährmliches Genick brechen. Er hatte es verdient. Meine Freunde und andere Menschen in einem solchen Maße zu vernichten war der größte Fehler den man begehen konnte. Ich würde ihn ampfangen und dann ihm zeigen was dies hieß.Von Wut gepackt ging ich durch den Wagon. Ich schaute in jedes Abteil und sogar in das Klo. In der Kloschüssel erkannte ich etwas helles. Als ich mich näher herüberbeugte erkannte ich dass es eine Hand war. Eine menschliche Hand. Ekel und Übelkeit legte sich auf meinen Bauch. Ich drehte mich um und sah den dunklen Flur. Ich ging den Gang weiter entlang. Hinten sah ich eine Tür. Als ich 4 Meter von ihr entfernt war wurde sie von Außen geöffnet. Ich hob meine Faust mit dem gespannten Arm und rannte los. Ich erkannte geradenoch rechtzeitig dass es ein Mitarbeiter der Bahngesellschaft war und sprang an ihm vorbei. Er erklärte mir dass jemand den letzten Wagon von dem restlichen Zug gelöst habe, man aber noch nicht wüsste wer dies getan haben könnte. Es war zum verrücktwerden. Da war ich geradeerst aus dem Krankenhaus entlassen worden und nun wurde ich schon wieder verfolgt und man fing wieder an mit mir zu spielen. Wenn ich dieses kranke Wesen finden würde, würde es ein Ende haben. Der letzte Wagen wurde auf ein Nebengleis gebracht, ich umquartiert und der Zug fuhr weiter.In Hamm angekommen ging ich zu Steffies Haus. Dort angekommen erfing mich Steffies Mutter. Sie war vollkommen aufgebracht, weil Steffie nicht nach Hause gekommen war. Ich wusste sofort was wohl geschehen war.

Es war schon sehr spät. Die Mutter hatte die Polizei schon verständligt doch es sah nicht so aus als wenn sie eine Spur hätten. Ich übernachtete bei Steffie zu Hause, wobei meine Nacht wohl eher ohne Schlaf verlief. Immer wieder schaute ich mich in Steffies Zimmer um und suchte nach Spuren. Es war nix zu finden. Es war nun schon neun Uhr und ich hatte maximal zwei Stunden geschlafen. Ich raffte die wichtigsten Sachen zusammen und machte mich aufbruchgebreit. Ich hatte eine alte Karte von Hamm und dessen Umgebung bekommen. Ich verstaute sie in meiner Hosentasche. Ich nahm mein altes Kampfmesser aus meiner Tasche und brachte es mit der Halterung an meinem Bein an.

Ich lieh mir das Fahrrad von Steffie und radelte in Richtung des nächstgelegenen Wald. Auf dem Weg dorthin machte ich einen kleinen Zwischenstop bei Obi und kaufte eine lange Stahlkette. Sie maß ganze 2,50m. Ich nahm das Rad und fuhr weiter. Im Wald angekommen lehnte ich das Rad an einen Baum und schloss es an. Meine grün-braune Kleidung war mir von Nutzen, da sie als Tarung wirkte. Ich ging so vor mich hin. Schlich ab und zu und rannte dann wieder ein wenig. Ich gelangte immer tiefer in den Wald hinein. Meiner alten Karte nach war im gesammten Wald nur ein einziges Forsthaus zu erkennen, jedoch machte ich in einiger Entferung ein kleines Häuschen aus. Vorhänge waren vor die Fenster gezogen und in großzügigen Abstand waren Bretter vor die Fensterläder genagelt. Langsam schlich ich mich an das Haus an, wobei ich leise und vorsichtig mein Kampfmesser aus der Scheide zog. Ich legte es an meine Rückhand bis hoch in Richtung Ellenbogen. Es war ganz kühl und ruhig. Der kalte Stahl beruhigte mein Herz und lies meine Sinne aufblühen. Ich achtete auf jedes Detail, jede Bewegung, jedes Geräusch und jeden Geruch. Das Messer in Anschlag schlich ich mich um das Haus herum. Die einzige Tür die zu finden war, war mit Brettern versiegelt. Ich schlich mich heran und versuchte durch das Schlüsselloch etwas zu erkennen. Hinter mir hörte ich ein leises Knacken, woraufhin ich mich schlagartig umdrehte und mein Messer vorstieß. Es war ein maskierter Mann. Relativ gut gebaut. Ohne einen Laut von sich zu geben viel er zurück. Ich berührte seinen Hals und verspürte dass er keinerlei Lebenszeichen von sich gab. Ich zock ihm die Ledermaske vom Kopf und erkannte ihn. Die väterliche Gestalt. Ich nahm den dicken Mann und zog ihn weiter in den Wald hinein. Ich hatte weder Ahnung woher er gekommen war, noch wo sein Sohn war. Ich legte die schwere Gestalt auf den Waldboden und bedeckte ihn mit einem Ast einer Tanne. Vorsichtig sah ich mich um. Es war nichts zu sehen. Ich fesselte ihn mit meiner Stahlkette an den schweren Ast, nahm mein Messer wieder in Anschlag und schlich auf das Haus zu. Am Haus angekommen suchte ich eine Möglichkeit in das Haus einzudringen. Ich umrundete es noch einmal und erst jetzt fiel mir ein kleiner Spalt in der Hauswand auf. Ich stecke das Messer in meinen Hosenbund und zwängte mich hindurch. Ich kletterte ins Innern des Hauses und sah mich in dem hier gelegenen dunklen kleinen Raum um. Es gab nur eine Tür. Ich ging leise auf die zu und drückte leise und vorsichtig die Klinke herunter. Als ich hindurch ging sah ich auf einen Stuhl gefesselt Steffie sitzen. Sie war vollkommen bewegungsunfähig. Ich wollte auf sie zugehen, sah aber dass in einer anderen Ecke Daniel saß. In seinen Händen lag eine Schrotflinte. Ich sprang auf den ‚Abschaum zu und wollte ihn ergreifen. Er drückte ab und es erfasste mich. Ich prallte gegen die Wand. Ich blutete wie ein Schwein. Er hatte mir ungehemmt in den Oberschenkel geschossen. Ich würde nicht mehr lange zu leben haben. Ich würde so viel Blut verlieren dass es ein Ende nehmen würde. Ich blickte hoch, sackte jedoch wieder in mich zusammen. Der Schmerz war grenzenlos. Tränen rannen mir die Wangen herunter. Es war zu ende. Ich konnte nichts mehr machen. Langsam stand diese Missgeburt auf und fing an zu reden:,, Du wolltest es nicht anders. Ich kündige dir die Freundschaft. Es ist endgültig. Als wenn dieses Stück dir hätte mehr geben können als ich!? Was hat sie was ich nicht habe? Du wirst nun sehen wie ich sie auseinandernehme und ein neues Wesen schaffe. Du hättest es auch anders reglen können, Tim. Nun ist es soweit. Sieh zu und  bewundere meine Kunst. Ich hab mir einiges beibringen lassen.Ich wusste Christian würde mir einmal helfen. Hehe!!!”

Langsam ging er auf meinen Engel zu. Ich konnte das nicht zulassen. Wut kam in mir hoch. Hass und der Wunsch alles zu beenden lösten eine ungeheuere Welle aus Adrenalin aus. Ich stützte mich auf die Beine und zog mein Messer aus dem Bund. Von hinten schlich ich mich an das Geschöpf an und rammte ihm das Messer in den Hals. Als ich es herauszog wimmerte er auf und drehte sich um. Sein erbärmliches Grinsen war auch jetzt noch nicht verschwunden. Er grinste mich an und hob die Schrotflinte. Ich nahm das Messer noch einmal auf und stach es ihm in sein Herz. Auf das es von nun an ruhen sollte. Die Gestalt ließ die Waffe sinken und sackte zusammen. Endlich verschwand das Grinsen. Ich brach auf die Knie zusammen. Mit meinem Messer durchtrennte ich die Schnüre an den Beinen und Armen von Steffie. Sie löste die letzten Fesseln und sprang auf. Ich sah den weisen Tunnel. Das Leben verließ mich genauso schnell wie mein Blut selbst. Ich sah sie an und sagte:,, Ich liebe dich meine Maus. Für immer und ewig! Ich werde immer bei dir sein. Und auch wenn es soweit ist, werde ich bei dir sein. Ich…liebe…dich….!”

Das letzte was ich hörte war:,,Ich liebe dich auch mein Schatz!….”

Langsam schloss ich meine Augen. Ich starb. Sie konnte leben…. Mein Engel lebte.

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