„Ich kriege kein Bafög und verdiene mir mein Studium selbst – und jetzt komme ich nicht mal mehr in die Uni rein!“
Auch am zweiten Tag der Streikwoche vom 15.-20. Juni hielten Studenten Gebäude Berliner Hochschulen besetzt.
Wenn es auch nicht überall Massenaufläufe gibt, die Aktionen der Studierenden, die in den Bildungsstreik getreten sind, reichen doch aus, um den Betrieb der FU Berlin in Teilen erheblich zu stören.
„Statistik kann man auch nächste Woche noch lernen, wenn man dafür überhaupt in eine Vorlesung gehen muss,“ meint eine studentische Aktivistin, die lieber nicht genannt werden möchte. Sie steht allein an einem Tisch der Streikenden, faltet Flyer und verteilt Infomaterial an Vorbeigehende.
Auch der ein oder andere Professor ist dabei.
Auch bei ihrem Kollegen scheint eine Stimmung zwischen Entschlossenheit und realistischer Resignation vorzuherrschen.
Auch am zweiten Tag unserer Beobachtung bestätigt sich das Bild von gestern.
Prinzipiell sind viele Studenten und auch zahlreiche Hochschulangestellte voll und ganz auf der Linie der Streikenden, aber an den Erfolg der Maßnahmen glaubt längst nicht Jeder.
Ich spreche mit Nicole, die nächstes Jahr ihren Master machen möchte.
„Ich war heute den ganzen Tag auf Arbeit und bin extra für ein Seminar noch mal zur Uni gekommen, das ist oft eine ziemliche Hetzerei für mich. Hier erfahre ich: Seminar fällt aus; Institut geschlossen. Das ärgert mich natürlich. Ich bekomme kein Bafög und muss mir mein Studium selbst verdienen. Und jetzt komme ich nicht mal mehr in die Uni rein!“
Bittere Ironie!
Nun ist es das erklärte Ziel der Streikenden für einen freien Zugang zur Bildung für Alle einzutreten.
Nicht nur die Abschaffung von Studiengebühren wünschen sie sich, sondern auch „Bafög für Alle“.
Ob ihr das bekannt sei, will ich von Nicole wissen.
„Mh ja, schon. . . – hab ich mal gehört.“
„Dann könntest du ja eigentlich gleich mitstreiken.“
„Ich will nur schnell fertig werden mit allem hier.“
Ob sie am Mittwoch zur großen Kundgebung am Roten Rathaus gehe?
„Ich würde schon. . . – aber ich hab keine Zeit.“

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Nicole ist mit diesen Gedanken nicht allein.
Auch dieser Student hat hinsichtlich des Bildungsstreiks so seine Zweifel.
Allerdings hat er andere Vorstellungen vom Bildungssystem der Zukunft.
Ihm schwebt ein bundeseinheitliches Schul- und Hochschulsystem vor, eine Idee, die im Streikaufruf so gar nicht vorkommt.
„Aber Studiengebühren will ich auch nicht haben,“ meint Eric, der Informatik auf Lehramt studiert.
„Nur ob man das so erreicht. . . „- er wirkt wenig optimistisch.
Viele Forderungen seien überdies auch völlig überzogen.
„Abschaffung von Noten, Abschaffung von Bachelor und Master. . . – das ist lächerlich und völlig unrealistisch. Damit entfernt man sich eher von Verbesserungen, als ihnen näher zu kommen.“
Fazit
Die Motive des Streiks bleiben auch bei näherer Betrachtung unangefochten.
Der weitere Verlauf wird zeigen, ob es ein Umdenken in der Politik und an den Hochschulen geben wird.


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