Freitag
Berlin Tegel, sieben Uhr morgens: die Reise beginnt! Nach all der Vorbereitung geht es jetzt endlich nach NYC zum National Model United Nations, dem Planspiel in der UNO-Stadt New York. Die Air France Maschine steht bereit für den ersten Zwischenstopp Pars. Zum Sightseeing bleibt leider keine Zeit, da in nur zwei Stunden der Anschlussflug nach New York JFK geht. Im Flugzeug nach New York erhalte ich dann mein Einreiseformular wo ich bereitwillig bestätige keine terroristischen Aktivitäten zu planen oder in Kriegsverbrechen während des Zweiten Weltkriegs verwickelt zu sein. Um 12:45 lokaler Zeit dann endlich der Landanflug auf New York. Am John F. Kennedy Airport zu sein, heißt jedoch noch lange nicht in der City zu sein. Nachdem ich bei der Einreisebehörde meine Fingerabdrücke und beim Air France Schalter meine Beschwerde wegen fehlender Gepäckstücke abgegeben habe, setze ich meine Reise mit der U-Bahn Richtung Manhattan fort. Als ich bei der Jugendherberge ankomme ist es bereits 16.00. Jetzt schnell einchecken, ein paar Snacks kaufen, sich an der Rezeption noch ein paar NYC-Tipps holen und dann geht’s zu Fuß zum Couchsurfing Meetup in der Amsterdam Ave.
Samstag
Nachdem ich schon um 10:00 aus meiner Jugendherberge an der 103. Straße auszog und schon vormittags im Marriot eincheckte, hatte ich den kompletten Freitag Nachmittag zu meiner Verfügung. Zuerst machte ich mich auf dem Weg zum Macy’s, den sich über einen gesamten Block erstreckenden Department Store. Danach traf ich mich mit zwei Österreicherinnen aus der Jugendherberge im Financial District um am alljährlichen Pillowfight-Day mit mit Kissen bewaffneten Amerikanern vor der Wall Street eine Kissenschlacht zu liefern. Abends traf ich die anderen Mitglieder unserer Delegation und gemeinsam gingen wir eine kurze Runde am Times Square. Abends ging ich wieder mit den beiden Österreicherinnen in den Meatpacking District um das dortige Nachtleben zu erkunden.
Sonntag
Um 10:00 fand das erste Delegation Meeting statt wo wir die organisatorischen Abläufe der kommenden Tage besprachen. Im Anschluss machten wir uns auf den Weg um entlang des Broadways New York City per Fuß zu erkunden. Der Fußweg vom Times Square zur South Ferry beanspruchte inklusive einer Shoppingpause im c21 die erste Hälfte des Nachmittags und was definitiv eine gute Möglichkeit die Stadt selbst zu erkunden. Nach dieser Tour zog ich im Hotel meine Sportkleidung an und machte mich auf den Weg nach Brooklyn um dort an einem Parkour Workshop teilzunehmen. Wieder zurück im Hotel hatten wir wieder Delegation Meeting um anschließend am Times Square unser Abendessen einzunehmen. Abends ließen wir den Abend noch bei einem gemütlichen Bier im Hotelzimmer ausklingen.
Montag
Montags hieß es früh aufzustehen um rechtzeitig zum Tourbeginn im United Nations Headquarter anzukommen und an einer Führung durch das Hauptquartier am East River teilzunehmen. Die Führung selbst war gut organisiert, doch für eingefleischte UN-Kenner gab es wenig Neues. Im Anschluss an die Tour gingen wir zum German House um dem Vortrag zu Peacekeeping der Vereinten Nationen und deutscher Beteiligung zu lauschen. Das Essen wurde natürlich auch gleich dort eingenommen und brachte zumindest kulinarisch ein Stückchen Heimat nach New York. Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg zur Subway Station South Ferry, wo wir zur NYCLU zu einem Vortrag geladen waren. Dieser brachte uns auf eine sehr interessante Art und Weise die amerikanische Bewegung für Bürgerrechte näher. Faszinierend dabei war die Tatsache, dass Positionen die in Europa quer durch die Gesellschaft anerkannt sind z.B.: im Bereich Todesstrafe, in den USA nur von Minderheiten vertreten werden. Nach diesem Treffen bei der NYCLU fuhren wir mit der Fähre nach Staten Island um auf dem Weg dorthin Fotos von Freiheitsstatue und der Manhattener Skyline zu machen.
Dienstag
Vormittags stand der Besuch bei der Columbia University in den Morningside Heights mit Campus Tour und Besuch an einem dortigen Lehrstuhl auf dem Programm. Am Nachmittag ging es zum German House in der Nähe des UN-Headquarters wo wir gemeinsam mit der Bamberg Delegation mit Jan-Hendrik von Thiel über afrikarelevante Themen diskutierten. Dieser Besuch war sehr interessant da uns viele Fragen über Djibouti beantwortet wurden. Direkt vom German House gingen wir dann zum UN-Headquarter um an der Opening Ceremony für das NMUN 2009 im Sitzungssaal der Generalversammlung teilzunehmen. Dabei ist es sehr wichtig früh dran zu sein um noch einen der begehrten Plätze in den vorderen Reihen zu ergattern wo ansonsten die UN-Diplomaten sitzen. Nach der Opening Ceremony hieß rasch zum Marriot zu verlegen um auch dort bei der ersten Sitzung an die begehrten Plätze in der ersten Reihe zu kommen. In der ersten Sitzung wurde dann auch gleich die Agenda auf Illicit traficking with nuclear material festgelegt und in den ersten Informal Caucuses Kontakt mit den regionalen Partnern aufgenommen, das heißt im Falle Djiboutis mit den Nachbarstaaten und den Staaten der Afrikanischen Union.
Exkurs NMUN
Die Abkürzung NMUN steht für National Model United Nations, einem Planspiel das jedes Jahr im Marriot in New York stattfindet. Dabei treffen sich tausende Studenten aus aller Welt um gemeinsam Institutionen der Vereinten Nationen wie den Sicherheitsrat, die Generalversammlung und all ihre Unter-Komitees darzustellen. Jede Delegation bekommt dabei ein Land zugeteilt mit dessen Geschichte, Kultur, Wirtschaft und Außenpolitik man sich während der Vorbereitungszeit intensiv auseinandersetzt um sein Land anschließend so authentisch wie möglich zu repräsentieren. Ich fuhr dieses Jahr als Mitglied der Delegation des Bundesverbands für Sicherheitspolitik an Hochschulen (BSH) und repräsentierte Djibouti im Abrüstungskomitee der Generalsversammlung.
Mittwoch
Nachdem sich in der ersten Sitzung bereits erste Anzeichen von Koalitionen bildeten und man von die Positionen der anderen Ländern schon langsam abschätzen konnte ging am zweiten Tag der diplomatisch Prozess erst richtig los. In unserer Regionalgruppe Afrika bildete anfangs sich um Südafrika und Mauretanien eine starke Gruppe, die allerdings nicht richtig auf die Interessen der afrikanischen Entwicklungsländern einging, sondern auf weiter Strecke eigentlich westliche Positionen vertrat. Dies veranlasste Somalia, Äthiopien, Tansania, Sierra Leone, Zentralafrikanische Republik und Djibouti eine Gegenbewegung zu starten in der wir vor allem forderten die Interessen der afrikanischen Staaten und vor allem der Uran-exportierenden zu respektieren. Versuche zum Angleichen unserer Position mit Südafrika scheiterten und so entschieden wir uns an einem eigenen Resolutionsentwurf zu arbeiten.
Donnerstag
Die Arbeiten an unserem Entwurf schritten voran und durch die Größe unserer Gruppe konnten wir gleichzeitig unsere Position besser ausformulieren und durch Lobbying neue Unterstützer finden. Unser Entwurf sah vor, dass Uran-exportierende Staaten eine Organisation bilden sollen in der sie sich gegenseitig in Bezug auf Sicherheitsvorkehrungen unterstützen sollen und im Rahmen dessen westliche Staaten finanzielle und technische Unterstützung zu eben diesen liefern sollen. Mit dieser Idee gelang es uns Australien als einen der großen Player im Pazifikraum und gleichzeitig wichtigen Uran-Exporteur an Bord zu holen, was unserer Position zusätzlichen Rückhalt unter der entwickelten Ländern sicherte. Parallel dazu beendeten wir bereits Donnerstags die Arbeit an unserem Entwurf und reichten unser Papier bereits Donnerstags Abend ein, was uns den Vorteil verschaffte der erste bestätigte Resolutionsvorschlag zu sein.
Freitag
Für Freitag Nachmittag stand das Abstimmen über die Resolutionen auf dem Programm, was alle Delegationen nochmal veranlasste intensiv für ihren eigenen Resolutionsentwurf zu werben. Unsere Gruppe war dabei in der komfortablen Situation sich komplett auf das Lobbying konzentrieren zu können, da der Resolutionsentwurf schon fertig und vom Vorsitzenden bestätigt war. Die Spannung stieg immer weiter als gegen 16.00 Uhr die Türen geschlossen wurden und das Abstimmungsverfahren begann. In dieser Zeit durfte niemand mehr den Saal betreten, und jeder Delegierte der hinausging musste draußen bleiben bis zum Ende des Verfahrens. Wir alle waren extrem gespannt als unser Entwurf gleich als erstes zur Abstimmung vorgelegt wurde, doch durch gutes Lobbying und eine innovative Idee gelang es uns über hundert Ja-Stimme zu erlangen wodurch wir stolze Einbringer der ersten verabschiedeten Resolution wurden.
Samstag
Samstags gab es für die Mitglieder der Unter-Komitees keine Sitzungen mehr und so hatte ich die Gelegenheit der Abschlusssitzung des Sicherheitsrates mit simulierter Krise beizuwohnen. Nachmittags stand dann die Abschlusszeremonie auf dem Programm die wieder in den Räumen wo ansonsten UN-Diplomaten verhandelten stattfand. Abends wurde die anstrengenden letzten Tage bei einem überschwänglichen Delegate Dance im Hotel gefeiert und das NMUN 2009 offiziell beendet.


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