Werden Gewaltakte an Schulen nicht mehr wahrgenommen?
Erneut rastet ein Schüler, ein 18-jähriger Gymnasiast aus bislang ungeklärten Motiven aus, greift zur Waffe und tötet insgesamt acht Mitschüler und Lehrer.
Dieses Mal trifft es für Viele völlig überraschend ein Land, dessen Schulsystem in Europa und darüber hinaus als besondersfortschrittlich gilt, und dem man nachsagt, es gehe konsequent gegen Ungerechtigkeit im Unterricht, oder Ausgrenzung aus der Gemeinschaft vor.
Natürlich – in Finnland herrscht nach dem Blutbad nachhaltiges Entsetzen. Wir hoffen bald ein Stimmungsbild von dort zu erhalten.
Doch außerhalb Finnlands wird erstaunlich wenig berichtet. Wenn man einen Blick in die Zeitungen wirft, stößt man natürlich auf Meldungen wie Diese in der SZ vom 07. 11. – doch in Funk und Fernsehen erschien das Thema Finnland nur recht weit hinten in den Meldungen, und ohne besondere Betonung oder Priorität.
Das generell hochwertige Nachrichtenmagazin “Echo des Tages”, eine Gemeinschaftsproduktion von NDR und WDR beispielsweise teilte in seiner gestrigen Ausgabe lediglich ganz am Ende mit, es habe in einer finnischen Kleinstadt einen Amoklauf gegeben, bei dem acht Menschen starben und der Täter von der Polizei “unschädlich gemacht” worden war. . . Das war alles.
Welche Folgerung ziehen wir daraus?
Eine klare Antwort auf die Frage muss/sollte Jeder für sich suchen.
Doch stellen wir die Anschlussfrage: Ist es bereits in unserem Bewusstsein angelegt, dass Ereignisse wie vor Jahren in Thyringen und nun in Finnland zur neuen Realität unserer Zeit gehören und entsprechend behandelt werden? Also nicht als unmöglich hinnehmbare Ausnahmefälle, sondern als tragische, aber unabwendbare Randerscheinungen einer zerbrechenden Gesellschaft?
Wenn bereits die skandinavischen orzeigeländer mit solchen Ausbrüchen von Gewalt konfrontiert werden, dann scheint es, die Uhr hat fünf Minuten vor Zwölf bereits längst überschritten.
ZEITGEIST für BLUE PARADISE


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